Missbrauchsvorwürfe in den USAKlage gegen Bob Dylan

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Die Behauptungen seien "unwahr, wir werden energisch dagegen vorgehen", heißt es in einem Statement, das ein Sprecher von Bob Dylan verschickte.
Die Behauptungen seien "unwahr, wir werden energisch dagegen vorgehen", heißt es in einem Statement, das ein Sprecher von Bob Dylan verschickte.
Robert Galbraith/Reuters

Am Samstag ist in New York ein Gesetz abgelaufen, das die Verjährung bei Kindesmissbrauch aufhob. Vorher gab es noch drei Klagen: gegen Bob Dylan, Nicki Minaj und Horatio Sanz.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

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In New York sind drei Klagen gegen Prominente eingereicht worden - gegen Sänger Bob Dylan, die Rapperin Nicki Minaj und deren Ehemann Kenneth Petty, sowie den Komiker Horatio Sanz. Es geht um sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Nötigung und Einschüchterung einer Zeugin. Die Fälle haben keinerlei Berührungspunkte, müssen also getrennt voneinander betrachtet werden. Sie sorgen jedoch gemeinsam für Aufregung, weil sie mit dem sogenannten New York Child Victims Act zu tun haben. Das Gesetz hob im Jahr 2019 die Verjährungsfrist bei Kindesmissbrauch für zwei Jahre auf - und lief am vergangenen Samstag ab.

Die erste Klage richtet sich gegen Bob Dylan. Der Musiker soll im Jahr 1965 einem damals zwölf Jahre alten Mädchen Alkohol und Drogen verabreicht und sie mehrere Wochen lang gefügig gemacht und sexuell missbraucht haben. Es gibt wenige Informationen über das vermeintliche Opfer, in der Klageschrift wird sie lediglich als "J. C." bezeichnet. Dylan soll sie von April 1965 insgesamt sechs Wochen lang missbraucht haben, unter anderem in seinem Apartment im Hotel Chelsea in New York. Er soll sich erst mit ihr angefreundet und ihr versprochen haben, sich um ihre Karriere kümmern zu wollen. Später soll er ihr aber auch mit körperlicher Gewalt gedroht haben. J. C. habe davon "schwere psychische Schäden und Angstzustände bekommen, an denen sie bis heute leidet", heißt es in der Klage.

Auf SZ-Anfrage wollte sich der Anwalt der Frau nicht weiter äußern. Im TV-Sender CNN sagte Daniel Isaacs: "Die Klage spricht für sich, sie wurde ordentlich überprüft. Es gibt keinen Zweifel, dass sie damals mit ihm im Hotel Chelsea gewesen ist."

Dylan ließ die Vorwürfe als "unwahr" dementieren

Dylan, 80, ist weltberühmt für Songs wie "Like a Rolling Stone" oder "Blowin' in the Wind", 2016 wurde ihm der Literaturnobelpreis verliehen. Vor wenigen Monaten verkaufte er seinen gut 600 Lieder umfassenden Katalog für mehr als 300 Millionen Dollar. "Die 56 Jahre alten Behauptungen sind unwahr, wir werden energisch dagegen vorgehen", heißt es in einem Statement, das ein Sprecher von Dylan verschickte.

Im zweiten Fall geht es um die Sängerin Nicki Minaj. Ihr Ehemann Kenneth Petty war 1995 dafür verurteilt worden, dass er ein Jahr zuvor versucht hatte, die damals 16 Jahre alte Jennifer Hough zu vergewaltigen. Er hatte sie mit einem Messer bedroht und ihr eine Wunde am Bauch zugefügt, sie konnte allerdings fliehen. Petty bekannte sich schuldig und musste fast vier Jahre lang ins Gefängnis. Später wurde er zu sieben Jahren Haft wegen Totschlags in einem anderen Fall verurteilt. Im Jahr 2013 kam er frei, fünf Jahre später begann er die Beziehung mit Minaj, die er seit seiner Kindheit kennt. Seit 2019 sind die beiden verheiratet, im September 2020 kam der gemeinsame Sohn zur Welt.

Minaj hatte ihren Ehemann immer wieder verteidigt, unter anderem in ihrer Radiosendung Queen Radio und in Einträgen bei Instagram . Im vergangenen Jahr geriet der Fall in die Schlagzeilen, weil sich Petty nicht - wie es im Bundesstaat Kalifornien vorgeschrieben ist - als "Sex Offender" registriert hatte und deshalb verhaftet wurde.

Laut Klageschrift sollen Minaj und ihr Ehemann Schweigegeld geboten haben

In der Klageschrift heißt es, dass Minaj und Petty danach versucht hätten, Hough Geld für ihr Schweigen zu bieten: "Zwei Leute haben Angehörige der Klägerin kontaktiert und 500 000 Dollar geboten, sollte sie ihre Vorwürfe der Vergewaltigung zurückziehen." Später habe eine Freundin von Hough als Vermittlerin gedient, Minaj habe diesmal 20 000 Dollar geboten, sowie "als Bonus ein Grußvideo zum 16. Geburtstag der Tochter der Klägerin".

Als Hough all das abgelehnt habe, sei sie am Telefon und von Besuchern an der Haustür belästigt worden. Sie sei sicher, dass diese Leute mit dem Ehepaar Minaj/Petty zu tun gehabt hätten. Sie verklagt Minaj und Petty wegen Nötigung und wirft ihnen vor, sie belästigt, angegriffen und traumatisiert zu haben. In einem Interview mit der New York Times sagte sie: "Wenn ich jetzt lügen und sagen würde, dass ich damals gelogen habe - wissen Sie, was das für eine Botschaft an meine zwei Töchter oder auch die Söhne senden würde?"

Die dritte Klage richtet sich gegen den Komiker Horatio Sanz. Der soll im Mai 2002, er war damals Mitglied im Ensemble der Satiresendung "Saturday Night Live" (SNL), eine damals 17 Jahre alte Frau sexuell genötigt haben. Er habe sie zwei Jahre zuvor kennengelernt und ihr angeboten, ihre Karriere zu fördern. Auf Partys habe er dann mit ihr zu flirten begonnen, später habe er sie begrapscht und während Video-Chats mit ihr masturbiert. In der Klage heißt es, dass sich Sanz im Jahr 2019 entschuldigt habe - er habe der Frau, die mit dem Pseudonym "Jane Doe" umschrieben wird, per Textnachricht mitgeteilt, dass er sich geändert habe: "Du hast jedes Recht, solltest du mich metooen wollen - aber glaube mir, ich bin nicht mehr so."

In einem Statement sagt Sanz' Anwalt Andrew Brettler allerdings: "Sie kann all diese lächerlichen Anschuldigungen so oft wiederholen, wie sie möchte - sie kann auch versuchen, andere Promis zu erwähnen, um Aufmerksamkeit in den Medien zu bekommen. Sie bleiben falsch." Die Klägerin habe vielmehr versucht, Sanz zu erpressen: "Bevor sie die Klage anonym eingereicht hat, hat sie 7,5 Millionen Dollar für ihr Schweigen verlangt. Wir haben natürlich abgelehnt und werden uns gegen diese völlig haltlose Behauptung energisch verteidigen." Der Fall ist brisant, weil sich die Klage auch gegen SNL und den TV-Sender NBC richtet. Beide hätten das Verhalten von Sanz demnach ermöglicht.

Alle drei Anklagen werden voneinander getrennt behandelt. In keinem der Fälle ist bislang bekannt, ob es jeweils zu einer Gerichtsverhandlung kommen wird.

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