Bob Dylan zum 80.:It Ain't Me, Babe

Lesezeit: 7 min

Albumveröffentlichung ´Rough And Rowdy Ways" von Bob Dylan

Da kann er noch so oft sagen, dass er es nicht ist: Das hier ist Bob Dylan.

(Foto: Sony Music/dpa)

Brecht-Leser, Rock 'n' Roller, wiedergeborener Christ: Der große Volkssänger Bob Dylan hat Geburtstag.

Von Willi Winkler

Bei einem frühen Auftritt im Schwarzweißfernsehen trifft er auf einen Moderator, der sich redlich um den jungen Mann bemüht. Steve Allen stellt ihn als Entertainer und als Sänger vor, vor allem aber sei er ein Dichter. Dazu verliest er lobende Kritiken, die der Gast bereits vorweisen kann. Bob Dylan, sehr jung, sehr unausgeschlafen, überhaupt nicht gut aufgelegt, also sehr Bob Dylan, sitzt daneben, die Gitarre umgehängt, hört sich an, wie er gelobt wird, hört sich sogar an, was er selber über sich behauptet hat, weil der Moderator, der es doch nur gut mit ihm meint, poetische Sätze vom Plattencover vorträgt, wird aber immer verlegener dabei, immer noch nervöser, bis er auf seinem Stuhl herumrutscht und schließlich wie hospitalisiert seine Gitarre schwenkt. "Wäre diese Gitarre eine Waffe, ich würde schießen!", scheint er zu denken, am liebsten würde er Allen an die Gurgel gehen, aber die unverlangte Vorlesung über seine Bedeutung als Dichter, Sänger, Musiker etc. pp. ist noch immer nicht zu Ende, es muss unbedingt noch gefragt werden, wo er denn die Ideen für seine Songs hernimmt. "Aus der Zeitung", sagt er kurz, "aus der Zeitung, ich benutze sie für mich." Was er damit meine, fragt der freundliche Herr neben ihm, doch Dylan reicht es jetzt. Seufzend gibt Steve Allen endlich auf und bietet stattdessen an, den Sänger singen zu lassen. Was dann folgt, ist eines der schönsten Lieder, die Dylan je geschrieben hat, "The Lonesome Death of Hattie Carroll".

SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
Silvester Menü
Essen und Trinken
»Beim Kochen für Gäste geht es auch um Anerkennung«
Bundesarbeitsgericht
Arbeitszeiterfassung wird Pflicht
Geheimdienste im Ukraine-Krieg
An der unsichtbaren Front
Zigarettenrauch
Essay
Rauchen, um sich ganz zu fühlen
Interview mit Sido
"Mein Problem war selbst für die Profis relativ neu"
Zur SZ-Startseite