Blues Damals im Delta

Auch wenn Peter Crow C. (stehend) und Ferdinand "Jelly Roll" Kraemer 23 Jahre trennen - sie beide eint die Leidenschaft des Blues.

(Foto: Frank Forstner)

Der Münchner Musiker Peter Crow C. ist dem Acoustic Blues des alten Amerikas verfallen - zusammen mit Ferdinand "Jelly Roll" Kraemer hat er das Duo "Black Patti" gegründet und ein Album aufgenommen

Von Oliver Hochkeppel

Manchmal bekommt Peter Krause den Blues. Wenn er in der Zeitung wieder einen Riesenriemen über ein angebliches neues Wunderkind liest. Ganz ohne Missgunst fühlt er sich ein bisschen missachtet: "Ich sehe nur, dass viele hochgejubelt werden, obwohl sie noch kaum etwas vorzuweisen haben. Und ich bin so lange im Geschäft, und es ist trotzdem so schwer, jemanden dafür zu interessieren." Was ebenfalls mit dem Blues zu tun haben dürfte. Dem nämlich hat sich der Gitarrist und Sänger Peter Crow C., als der er beruflich unterwegs ist, verschrieben, und der ist unerklärlicherweise seit Jahren außerhalb seiner Szene so unpopulär wie wenige Stile. Obwohl er doch so unmittelbar, so kraftvoll, auch so kunstvoll und vielfältig sein kann.

Mit 18 hörte er eine LP von Arthur "Blind" Blake und war hingerissen von der Energie und Ausdruckskraft

Das hat einst auch den Münchner Peter Krause gepackt, spät, aber umso heftiger. Mit 18 hörte er eine LP von Arthur "Blind" Blake und war hingerissen von der Energie, der Emotion und der Ausdruckskraft des bereits mit 38 vermutlich Mitte der Dreißigerjahre gestorbenen Bluessängers und -gitarristen aus Virginia, von dessen Leben man fast nichts mehr weiß. Das verlieh ihm den Schub, sein Hobby-Gitarrenspiel ganz neu auf die Füße zu stellen. Zum Leben reichte es freilich nicht. Eine Zeit lang fuhr Krause in Berlin Taxi und liebäugelte damit, Jura zu studieren - eine abenteuerliche Vorstellung, wenn man ihn heute als sprudelnden Gesprächspartner und als echten Showman auf der Bühne erlebt. Schließlich fing er an, in der Münchner Blues-Kneipe Alfonso's zu kellnern. Als der Leiter der Jam Session einmal ausfiel, griff er selbst in die Saiten. Und seitdem tritt er als Künstler im Alfonso's auf und ist bis heute Leiter der Jam Sessions.

In diese Zeit fiel dann auch sein Entschluss, Nägel mit Köpfen zu machen. Krause wollte an die Quelle; bereiste die USA, New Orleans und das ganze Mississippi-Delta, aber auch die Ostküste, und machte sich auf die Suche nach den alten Meistern. "Ich hab mit allen gespielt, einigen echten Legenden auf die Finger geschaut", erinnert er sich, einer von ihnen verpasste ihm auch seinen Künstlernamen. Der Aufwand lohnte sich jedenfalls. Die im Trio mit dem Berliner Schlagzeuger Michael Maass und dem Blues- Harp-Spieler Paul Orta eingespielte CD "Coolstep" wurde im deutschen Blues Poll zur besten CD des Jahres gewählt; im selben Jahr bekam Krause für das direkt von seinen USA-Reisen inspirierte Solo-Album "Greedy Woman Blues" den Deutschen Schallplattenpreis. Krause blieb dran mit dem Trio Crazy Hambones und der Band Peter Crow C. and the Weedwackers. Seit 2011 und mittlerweile fast ausschließlich spielt Krause nun mit dem 23 Jahre jüngeren Ferdinand "Jelly Roll" Kraemer zusammen, auch der ein Afficionado des authentischen Acoustic Blues. Wim Wenders Filmporträt "The Soul of a Man" über die alten Blues-Granden wie Skip James oder Blind Willie Johnson hatte ihn umgehauen. Auf Krause stieß er, um sich Tipps zu holen. Der gab ihm zwei Stunden und beschied ihm dann, alles was er noch lernen müsse, könne er selbst lernen. "Ich habe selten einen so interessierten und auch spieltechnisch herausragenden Jungen erlebt", schwärmt Krause noch heute, "und nie einen, der einen mit meinem nahezu identischen Musikgeschmack hat." Bald holte er ihn immer öfter im Alfonso's mit auf die Bühne, und sie gründeten ihr Duo Black Patti, benannt nach einem alten, lange vergessenen Blueslabel aus der Schellack-Zeit.

Seit Krause vor einiger Zeit vom Land wieder zurück in die Stadt gezogen ist, scheint es aufwärts zu gehen. Vielleicht ist die Zeit auch endlich reif für ein Revival des Acoustic Blues. Im vergangenen Jahr jedenfalls gingen die beiden nicht nur auf USA-Tour, auch ihr Album "No Milk No Sugar", in einem auf Vintage-Aufnahmen spezialisierten Studio in Calw eingespielt, wurde vom renommierten Londoner Label Rhythm & Bomb Records verlegt.

Viele dieser überzeugend im Zwanziger-Jahre-Stil gehaltenen Stücke, Klassiker von den Mississippi Sheiks oder Charley Patton, aber auch eigene Kompositionen, werden nun auch in München vor größerem Publikum zu erleben sein, wenn Black Patti erst bei einer Matinee im Fraunhofer, und dann ganz groß im Volkstheater auftreten. Dort werden ihr Gesang, ihre erdigen Gitarrensounds und Blues-Mandolinenklänge - inzwischen eine Spezialität von Kraemer - vom als Gast dazustoßenden, lange in New Orleans lebenden Kontrabassisten Ryan Donahue grundiert.

Black Patti, Sonntag, 14. Februar, 11 Uhr, Fraunhofer, Fraunhoferstraße 9; Freitag, 19. Februar, 20 Uhr, Volkstheater, Briennerstraße 50