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"Black Mass" im Kino:Keiner will sich als Versager bloßstellen

Die reicht dann bis ins FBI. Als Conolly ihn anheuert, will er nicht Bulger helfen, sondern sich selbst; will vielleicht ein bisschen prahlen im Büro oder sogar befördert werden. Es ist aber bald klar, dass Bulger gar nichts verrät - er manipuliert die Staatstruppe für seine eigenen Zwecke, sorgt dafür, dass das FBI die Mafia ausschaltet, damit er sich selbst als Crimelord breitmachen kann. John kapiert das zwar, aber er vertuscht, dass er gar keine brauchbaren Informationen von Bulger bekommt, in einer merkwürdigen Mischung aus Pausenhof-Gang-Loyalität und Opportunismus, denn er müsste sich ja sonst auch selbst bloßstellen, als Versager.

So kommt es, dass Whitey Bulger bald so unantastbar und erfolgreich ist, dass seine Tentakel bis nach Florida reichen.

"Black Mass" ist schon ganz gut - eine gute Geschichte, ein furchteinflößender Auftritt von Johnny Depp. Aber jenseits dieser Hauptfigur sind die Charaktere recht eindimensional, und nie hat man das Gefühl, dass es Cooper gelingt, die Räume, die Zeit, von der erzählt, auch nur annähernd so packend wiederauferstehen zu lassen, wie es sein großes Vorbild Martin Scorsese tat. Cooper versucht schon, auch über Musik Atmosphäre herzustellen - nur bleiben der Soundtrack und die Räume blass. Über weite Strecken könnte man den Film keiner genauen Zeit und auch keinem Ort zuordnen. Das Milieu, das Bulger und seine Schlägerkumpel geprägt hat, bleibt angedeutet; in der Oberliga der Gangsterfilme kann "Black Mass" nicht mitspielen.

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Unheilige Allianzen, wie es sie auch in der Realität gibt

Dafür ist da aber etwas anderes - Cooper konzentriert sich auf einen Aspekt, und man kann hier sehr gut die Mechanismen nachvollziehen, die in noch viel größeren Maßstäben zu ähnlich unheiligen Allianzen führten, wie der von ein paar untergeordneten FBI-Agenten zu James Bulger. Wie John es fertigbringt, seine Kollegen und am Ende sogar seinen zweifelnden Chef (Kevin Bacon) davon zu überzeugen, dass es eine großartige Idee sei, sich mit Bulger zu verbünden, wie dann alle sehr lange versuchen, ihre Fehleinschätzung nicht mal vor sich selber zugeben zu müssen - dafür gibt es in der Politik immer wieder Beispiele. Das ist vielleicht jener Dynamik ähnlich, aus der die Taliban einst mit westlichen Waffen versorgt wurden. Man wusste ja nicht, was aus ihnen werden würde.

Auch Bulger wird erst einmal unterschätzt, sein Nutzen, denken die FBI-Leute, wiegt viel schwerer als die Gefahr, die dieses kleine Licht in der Verbrecherszene birgt. Und dann ist er plötzlich zu groß, um ihm das Handwerk zu legen. Johns Partner, der längst durchschaut hat, dass Bulger das FBI benutzt und nicht umgekehrt, tut lange nichts - dazu hat er viel zu viel Angst. Im Kino liegt zwischen Anfang und Ende, zwischen Verbrechen und Verhaftung, nur ein Wimpernschlag - der echte Bulger wurde erst 2011 geschnappt.

Black Mass, USA 2015 - Regie: Scott Cooper. Drehbuch: Jez Butterworth, Mark Mallouk. Kamera: Masanobu Takayanagi. Mit: Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch. Warner, 122 Min.