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Biografie:Das Rätsel Prince

Matt Thorne: Prince. Die Biografie. Edel Books, Hamburg 2017. 544 Seiten. 29,95 Euro, Ebook 18.99 Euro

Matt Thorne hat ein überbordendes Werk der Biografenkunst verfasst, das den Künstler in all seinen Facetten zeigt.

Kann es das geben: Einen Anhalter, der wirklich mitgefahren ist durch die Prince-Galaxis? Einen, der die ganze Tour mitgemacht hat und jetzt 544 Seiten zu Prince Roger Nelsons Leben und musikalischem Wirken in einer Biografie vorlegen kann, die schlicht "Prince" betitelt ist? Prince ist schließlich der im April vergangenen Jahres mit nur 57 Jahren viel zu früh verstorbene Musiker, der in jeder Hinsicht eine Ausnahme war: hinsichtlich seiner Perfektion, seiner Obsessionen, seiner Ticks und seiner unfassbaren stilistischen Bandbreite. Und dieses durchgedrehte Influencer-Genie, dieses exzentrische, streitsüchtige Arbeitstier, das sich in einen "Vault", Gruft und Klause zugleich, dem Paisley Park Studio in der Nähe von Minneapolis, von der unfähigen Mitwelt abschirmte, soll in Journalistenprosa vollständig porträtiert werden können?

Matt Thorne, ein britischer Autor, der schon für den Man-Booker-Preis nominiert war, hat jedenfalls ganze sieben Jahre lang an seiner Prince-Biografie gearbeitet, und er verfolgte einen ziemlich anstrengenden, ja anmaßenden Ansatz: Er will tatsächlich ein mindestens ebenso überbordendes Werk der Biografenkunst zu Prince verfassen, wie es der Künstler mit seiner Musik hinterlassen hat.

Dabei verfolgt er die späteren Nebenprojekte, Seitenlinien, Light-Jazz-Sackgassen, in die Prince ja auch gerannt ist, leider auch mit derselben Akribie, mit der er den pompösen Prince der frühen Achtziger bedenkt.

Ausreichend Shows und die streng abgeschirmten Aftershows von Prince konnte er oft besuchen, er führte Interviews mit den tapferen Mitgliedern Wendy und Lisa der Prince-Band The Revolution, er beleuchtet auch den streitbaren Prince, der früh für sein Urheberrecht streitet, der im Zuge eines Krachs mit seiner Plattenfirma den eigenen Namen ablegt, zum unaussprechlichen Symbol wird, um fortan als TAFKAP ("The Artist Formerly Known As Prince") endgültig ins Stadium seiner Mystifizierung zu treten. Dazu erklärt Thorne den Internet-Pionier Prince, den Prince der Fan-Web-Seiten, den radikalen Prince, den Einsiedlerprince, den Sex-Prince und genderlosen Gott des absoluten Geschlechts. Und dennoch: Der Mann Prince Roger Nelson bleibt hinter all seinen Masken weiter so rätselhaft wie eh und je.