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Nachruf auf Bill Ramsey:Freundlicher Befreier

Schlagersänger Bill Ramsey ist tot

Für die Deutschen war William "Bill" McCreery Ramsey der allgegenwärtige Onkel mit der bärbeißigen Raspelstimme.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

Bill Ramsey kam als G. I. nach Deutschland. Statt Schokolade und Kaugummi brachte er echt amerikanisches Showbusiness.

Von Andrian Kreye

Bill Ramsey ist tot. In den Sechzigerjahren war der amerikanische Sänger im Radio und im deutschen Kino mit seiner bärbeißigen Raspelstimme und dem deutlichen Akzent die allgegenwärtige Verkörperung des Onkels aus Amerika, des freundlichen Befreiers. Statt Schokolade und Kaugummi brachte er echt amerikanisches Showbusiness - und einen Haufen deutscher Coverversionen angelsächsischer Hits von Elvis, Fats Domino oder den Beatles mit.

Gemeinsam mit dem Produzenten und Komponisten Heinz Gietz landete er mit unerbittlicher Regelmäßigkeit ganz oben in der deutschen Schlagerparade. "Zuckerpuppe (aus der Bauchtanztruppe)", "Zicke Zacke Hoi" und der Titelsong aus der Screwball-Comedy "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" gehörten zu seinen größten deutschen Hits.

Der Jazz blieb seine wahre Leidenschaft - doch der Erfolg überrollte seine hippe Seite

Geboren wurde Ramsey 1931 in Cincinnati, Ohio, einem Industriestädtchen im Herzland Amerikas, was vielleicht auch erklärt, warum ihn der herbe Charme des Nachkriegsfrankfurt so nachhaltig verzaubern konnte. Er blieb aber nicht, wie so viele G. I.s und durchreisende Musiker, für eine Zeit lang in Europa hängen, sondern für immer. Eigentlich hatte er Betriebswirtschaft und Soziologie an der Yale University studiert. Mit dem Koreakrieg wurde aber die Wehrpflicht wiedereingeführt. Ramsey hatte Glück und landete nicht an der Front, sondern in Frankfurt.

Dort wurde er im Jazzkeller als Sänger für den Soldatensender AFN entdeckt. Er trat schon bald mit Paul Kuhn, Kurt Edelhagen und James Last auf. Damals sang er noch Jazz. Bis er dann über Musicalfilme im Schlager landete. 1959 hatte er mit "Souvenirs" seinen ersten Nummer-1-Hit, 1961 mit "Pigalle (Die große Mausefalle)" den zweiten.

Der Jazz blieb seine wahre Leidenschaft. Doch der Erfolg überrollte seine hippe Seite. In mehr als dreißig Filmen spielte er mit. Er moderierte Radio- und Fernsehsendungen wie "Schlager für Schlappohren" und "Talentschuppen", tourte bis ins hohe Alter. Am Freitag ist er in seiner letzten Heimatstadt Hamburg, wie seine Familie mitteilte, friedlich eingeschlafen. Er wurde 90 Jahre alt.

© SZ
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