Bill Murray wird 60Er ist der andere

Als Student verkaufte er Drogen, als Hollywoodstar zog er sich in ein Farmhaus zurück: Bill Murray ist selten den klassischen Weg gegangen. Nun wird er 60.

Katharina Riehl

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Als Student verkaufte er Drogen, als Hollywoodstar zog er sich in ein Farmhaus zurück: Bill Murray ist selten den klassischen Weg gegangen. Nun wird er 60. Dass der Lebensweg von Bill Murray ein wenig anders verlaufen würde, dürfte den Menschen in seiner Umgebung ziemlich bald klar gewesen sein. Gemeint ist damit nicht nur, dass Bill Murray ein Hollywoodstar wurde - obwohl schon das für einen Jungen wie ihn erstaunlich genug war. Gemeint ist auch, dass sein Leben als Hollywoodstar nicht sehr viel mit dem zu tun hat, was die meisten seiner Kollegen als typisches Hollywoodleben bezeichnen dürften. Nein, Bill Murray ist selten den klassischen Weg gegangen. Am 21. September 1950 als fünftes von neun Kindern eines Bauholzhändlers geboren, . . . Text und Bildauswahl: Katharina Riehl/sueddeutsche.de/ls/bön

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. . . führte William James Murray zunächst ein ziemlich einfaches Leben. Sein Taschengeld besserten er und seine Brüder als Golfjungen auf. Seine Kindheit verbrachte er in katholischen Klosterschulen, doch der Gesang in der Kirche war Bill Murray in Sachen künstlerischer Betätigung nicht genug. Er wurde Mitglied einer Rockband. Und verstand es auch sonst relativ bald, die Regeln der Menschen um sich herum nicht einzuhalten. 1971, Murray bereitete sich gerade am College auf ein Medizinstudium vor, erwischte man ihn dabei, ein wenig Marihuna unters Volk bringen zu wollen - und verwies ihn der Universität. Bill Murray hatte nun also alle Zeit der Welt, berühmt zu werden. Im Jahr 1974 holte in sein Freund John Belushi in die Revue National Lampoon Radio Hour, 1977 wurde er Teil der Crew der TV-Serie Saturday Night Live - wo er sich mit selber geschriebenen, klugen (und wohl deshalb nicht immer sehr freundlichen) Texten bis 1980 zum Star parodierte. So ließ natürlich auch . . .

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. . . das Kino nicht mehr lange auf sich warten. Und wieder tat Bill Murray nicht das, was man vielleicht von ihm erwartet hätte. Bill Murray drehte keinen kleinen intellektuellen Arthouse-Film, Bill Murray drehte Ghostbusters - die Geschichte der drei mäßig erfolgreichen Parapsychologen Dr. Peter Venkman (Murray), Dr. Raymond Stantz (Dan Aykroyd) und Dr. Egon Spengler (Harold Ramis), die mit Hilfe seltsamer Staubsauger New York von Geistern und anderem Ungetier befreien wollen. Der Film machte Bill Murray endgültig zum Star - mit dem Starrummel wollte der Schauspieler aber nichts zu tun haben. Bill Murray zog nicht nach Los Angeles, wo die Paparazzi jemandem wie ihm vor allen Türen auflauern, die er an einem Tag betreten oder verlassen könnte. Bill Murray blieb in seinem Farmhaus im Hudson River Valley - und war dennoch gut im Geschäft.

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Er drehte jetzt praktisch jedes Jahr mindestens einen Film - einer seiner beliebtesten wurde Und täglich grüßt das Murmeltier (1993). Murray spielt darin einen Wettermoderator, der in einer Kleinstadt die alljährliche Wettervorhersage eines verschlafenen Murmeltiers an seine Zuschauer bringen soll. Doch Phil Connors bleibt in einer schier endlosen Wiederholung des immer selben Tages hängen - jeder Morgen beginnt wieder mit seinem Weg zum Schlafplatz des Murmeltiers. Da kann, was sonst, nur die Liebe helfen. Bill Murray hat sich trotz vieler kleinerer Filmprojekte auch nie vor der großen Hollywood-Sause gescheut:

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So trat er zum Beispiel im Jahr 1998 in der zwangsläufig etwas albernen Agentenfilm-Parodie Agent null null nix auf, oder fungierte für diese drei . . .

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. . . schönen Frauen als Mittelsmann zu ihrem Auftraggeber. Drew Barrymore, Cameron Diaz und Lucy Liu traten im Jahr 2000 in der Wiederauflage der Serie Drei Engel für Charlie in den Dienst eines Herren, der mit seinen Engeln nur über einen Lautsprecher und seinen Vermittler John Bosley kommuniziert - was das Team aber nicht davon abhält, die Welt zu retten. Doch damit jetzt kein falscher Eindruck entsteht: Bill Murray hat sich nicht mit Haut und Haaren dem kommerziellen Kino verschrieben.

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Vor allem in Zusammenarbeit mit den Regisseuren Jim Janusch und Wes Anderson hat er in den vergangenen Jahren viele Filme abseits des klassischen Mainstreams gedreht. Filme wie die höchst skurrile Familiengeschichte The Royal Tenenbaums, den Episoden-Film Coffee and Cigarettes (Foto), . . .

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. . . die Geschichte eines in die Jahren gekommenen Meeresforschers (Die Tiefseetaucher mit Anjelica Huston, Cate Blanchett, Willem Dafoe), der sich auf die Suche nach dem Hai macht, der seinen Partner getötet hat. Oder die Tragikkomödie . . .

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. . . Broken Flowers, die 2005 in die Kinos kam. Der Film erzählt die Geschichte eines alternden Mannes, der von seiner sehr viel jüngeren Freundin mit dem Hinweis verlassen wird, er habe einen 19-jährigen Sohn, der auf der Suche nach ihm sei. Also macht sich IT-Fachmann Don Johnston auf den Weg zu allen seinen ehemaligen Freundinnen (zum Beispiel Sharon Stone), in der Hoffnung herauszufinden, welche die Mutter dieses Sohnes sein könnte.  Seine in den vergangenen Jahren berühmteste Rolle . . .

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. . . war aber die in Sophia Coppolas aufsehenerregendem Regiezweitling Lost in Translation. Darin trifft der einsame Filmstar Bob Harris auf einer Reise nach Japan auf die frustrierte Ehefrau Charlotte (Scarlet Johansson). Die beiden kommen sich in ihrer Verlorenheit näher - wie nah erfährt man bis zum Ende nicht, denn was Bob Charlotte in der letzten Szene ins Ohr flüstert, wird eben nur geflüstert. Für Lost in Translation wurde Bill Murray zum ersten Mal für einen Oscar nominiert, . . . 

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. . . gewonnen hat er ihn aber nicht - dafür, nicht nur mit diesem Film, viele andere Auszeichnungen. Doch mit zunehmendem Alter und der zunehmenden Verfestigung seiner Karriere kamen bei Bill Murray nicht unbedingt Weisheit oder Ruhe. Im Alter von 56 Jahren zum Beispiel wurde er bei einer nächtlichen Fahrt mit einem Golf-Buggy durch die Innenstadt von Stockholm mit Verdacht auf Alkohol am Steuer von der Polizei angehalten. Auch was sein Privatleben angeht, ist bei Bill Murray keine Ruhe des Alters eingekehrt:

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Nach einer ersten Ehe in den achtziger und frühen neunziger Jahren war Murray seit 1997 mit der Kostümbildnerin Jennifer Butler verheiratet, mit der er auch vier Kinder hat. Doch im Jahr 2008 reichte sie die Scheidung ein. Butler warf ihrem Mann vor, drogenabhängig zu sein, Ehebruch begangen und sie misshandelt und vernachlässigt zu haben, berichteten US-Medien unter Berufung auf das zuständige Familiengericht.

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(Foto: AFP)

Bill Murray, der Spinner? Auch das wäre sicher zu einfach. Bill Murray, egal was er auf Golfwägen so treibt, ist sich treu geblieben. Vor allem darin, das mit dem gradlinigen Leben nicht allzu wichtig zu nehmen. Darin, die Filme zu drehen, wie sie eben kommen. Auch dem Golfplatz ist er treu geblieben, nur dass er heute niemandem mehr die Schläger hinterherträgt. Er ist ja auch schon 60. Happy Birthday, Bill Murray!

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