BildergalerieComeback auf Stöckelschuhen

Nach vier Jahren Serienpause kommt jetzt der "Sex and the City"-Film ins Kino. Vier Autoren erklären, warum sie die Protagonistinnen vermisst haben. Oder warum eben genau nicht.

Nach vier Jahren Serienpause kommt jetzt der Sex-and-the-City-Film ins Kino. Vier Autoren erklären, warum sie die Protagonistinnen vermisst haben. Oder warum eben genau nicht.

Miranda

Ob jemand merken würde, wenn Miranda nicht dabei wäre in diesem "Sex- and-the-City"-Film? Jene reifste, wahrscheinlich sogar klügste dieser vier Frauen, bei der man immer dachte: Hat sie solche Freundinnen wirklich nötig? Drei Neurosen und eine Erwachsene?

Sie war immer die gebückte Grazie. Ihr Gesicht hat die feinsten Züge, sie ist langgliedrig, ihre Haut fast durchscheinend. Ihre (intellektuell roten) Haare waren immer die kürzesten, ihre Klamotten immer die schlechtesten. Miranda verkörperte die Intellektuelle, stilisierter als die Kolumnenschreiberin Carrie, die lebte, um zu schreiben, und die schrieb, um zu überleben. Miranda hatte am Anfang alles hinter sich, schon in der ersten Folge stellte sie die entscheidende Frage, die sie im Gegensatz zu den anderen gleich selbst beantworten kann: "Brauchen wir noch Männer? - Nein!" So lebt Miranda. manchmal allerdings sehr angefrustet.

Ominös asexuell

Sie ist in Wahrheit die modernste Frau dieser Viererbande, deshalb auch die abschreckendste und, furchtbar, furchtbar: erstmal die farbloseste. Nicht genug, dass sie den Schrecken der postmodernen Frau verkörpert, die verstanden hat, dass sie allein stark genug ist, schlimmer: Miranda ist die Frau, die begreift, dass man das Leben ohne Begleiter sogar noch mehr genießen kann. Dabei ist sie weder eine Zicke noch eine Lesbe oder ominös asexuelle Person, und das ist vielleicht das schönste Geschenk dieser Serie an uns Männer: Nicht Carrie, nicht Samantha und auch nicht die süße Charlotte haben uns zu "Sex and the City" verführt, sondern die Frau, die uns lehrt, dass sie keinen von uns braucht. Miranda ist das echte Sexsymbol aus New York - sie war die spröde Schönheit, an der die männlichen Zuschauer sich abgearbeitet haben, während ihre Freundinnen die tollsten Kapriolen vollführten.

Was muss der moderne Mann vollführen, um der modernen, hellsichtigen, unabhängigen und der Romantik entkommenen Frau den Kopf zu verdrehen? Herzensgut muss er sein und nur noch einen Hoden haben. In der Serie hat sich Mirandas Herz für den herzensguten Durchschnittsmann entschieden.

Was also wäre gewesen, wenn die nüchterne Analytikerin Miranda so mir nichts dir nichts aus dem Film verduftet wäre? Das Herz der modernen Frau wäre verschwunden und drei verwirrte Singles wären in New York allein zurückgeblieben. Übrigens: Im Film ist sie optisch die große Gewinnerin.

Text: Harald Hordych

Foto: AP

23. Mai 2008, 18:362008-05-23 18:36:00 ©