Alben der WocheDer Zauber des lässig verwackelten Wortes

Bilderbuch beherrschen die Königsdisziplin Avantgarde-Mainstream-Pop so virtuos wie keiner. Und Gary Clark Jr., der Sebastian Deisler der Blues-Gitarre, schöpft endlich sein Potenzial aus.

Gary Clark Jr. - "This Land" (Warner)

Man muss die Geschichte von Gary Clark Jr. als eine des Scheiterns erzählen: immenses Potenzial, gewaltiger Hoffnungsträger. Aber bislang immer unvollendet. Der Sebastian Deisler der Blues-Gitarre. Obwohl ja eigentlich so viel da war: die urbane Coolness, die den etwas maiskolben-haften Bonamassas der Szene so fehlt. Zementsackschwere Riffs. Glutäugige Soli. Alles mit viel, viel Unterleib ins Ohr gedrückt. Clark Jr. war ein stetes Versprechen auf die Erneuerung des Blues, vielleicht sogar des, Achtung: Blues-Rock. Aber ihm fehlten gute Songs - Hooks, Bridges und Emotionen jenseits der Abgeklärtheit. Vor allem die. Die Rettung bringt nun: Wut. Und dazu aber auch: Liebe. "This Land" (Warner) ist das Selbstermächtigungsalbum eines schwarzen Musikers, der den Rassismus Amerikas zu lang geschluckt hat und den Druck jetzt ablässt ("Fickt euch, ich bin Amerikas Sohn!"). Es ist aber auch das Album eines Menschen, der sich dabei auf die besinnt, die ihm wichtig sind - und ihnen das recht phrasenfrei sagt. Ein gewaltiges Stück Musik. Die Einlösung des Versprechens. Endlich. Von Jakob Biazza

22. Februar 2019, 05:322019-02-22 05:32:14 © SZ vom 20.02.2019/biaz