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Bilderbuch:Monster rütteln

Ein Sprachfeuerwerk hilft beim Einschlafen, auch wenn schließlich nicht nur die Kinder müde sind.

Von Marlene Zöhrer

(Foto: Mairisch Verlag)

Zweifellos, Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich können erzählen. Beide wurden bereits mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet - Zipfel 2020 für ihren Jugendroman "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte", Heinrich 2012 für sein Kinderbuch "Frerk, du Zwerg!", 2019 war das Autorenpaar zudem gemeinsam mit der Illustratorin Halina Kirschner für das Bilderbuch "Trecker kommt mit" für den Sonderpreis Neue Talente nominiert.

Mit "Schlafen wie die Rüben" legen sie erneut ein gemeinsames Bilderbuch vor. Und was für eines! Rund um das Einschlafritual einer fünfköpfigen Familie (samt Esel Olga) wird hier aufs Feinste fabuliert und gereimt, werden Sätze verdreht und Bedeutungen verschoben. Dass die Erzählerin "die Regeln des großen Zubettgehens der kleinen Leute" erst im dritten Anlauf haargenau richtig hinbekommt, erweist sich als gelungener erzählerischer Kniff und als großes Glück für die Lesenden. Zeigt es doch eindrucksvoll, wie viel Spaß das Spiel mit Sprache macht, selbst und erst recht, wenn das Gesagte keinen offensichtlichen Sinn ergibt: "Dann das Schlaflied schnuten, Zimmer fluten, am Ende Olga schütteln, Monster rütteln, und egal, wie viel ich übe, träume ich den Traum der Rübe."

Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel: Schlafen wie die Rüben. Mit Illustrationen von Tine Schulz. Mairisch Verlag (Huckepack). Hamburg 2021. 32 Seiten, 15 Euro.

Abgerundet wird das ebenso kluge wie turbulente Sprachfeuerwerk von Bildern aus der Feder von Tine Schulz, die dem Text zusätzliche Würze und Strahlkraft verleihen. Mit gerade mal drei Grundfarben - Korallenrot, Royalblau und Schwarz - bannt sie das abendliche Ritual der Rüben-Familie auf meist flächig kolorierte Doppelseiten. Egal ob Non-Sense oder Einschlafreim Schulz findet zum Text immer Bilder aus dem prallem Leben und scheint immer genau zu wissen, wovon hier die Rede ist (wie sonst könnte man Monster mit "selbstgebauten Bräuchen" vertreiben, als ihnen im Dunkeln den blanken Hintern entgehen zu strecken?). Und fügt noch so manches herrlich-schräge Detail wie Haushuhn und Familienhund als visuellen Sidekick hinzu. So machen Einschlafbücher Spaß! (ab 4 Jahre)

© SZ vom 16.03.2021
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