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Bilderbuch:Mitten im schönsten Musizieren

Pokko, das unternehmungs­lustige Froschmädchen, bringt den ganzen Wald zum Musizieren, mit einer Trommel. Eine Bilderbuchgeschichte reich an Humor, Ermutigung und Kunstfertigkeit.

Von Maren Bonacker

(Foto: Aus dem besprochenen Band)

Die Eltern von Froschmädchen Pokko haben ihrer Tochter eine Trommel geschenkt, der größte Fehler, den sie jemals gemacht haben. Sie trommelt mit Leidenschaft und so laut, dass Unterhaltungen im Pilz der Frösche kaum mehr möglich sind. Also schicken die Eltern ihr Kind mit Trommel in den Wald, nicht ohne es noch zu ermahnen, schön leise zu sein. Doch der Wald ist zu still und Pokko trommelt dort nicht nur weiter, sie zieht eine immer größer werdende Schar von Waldtieren an, die sich von ihrem Rhythmus leiten lassen und auf ihren Instrumenten mitmachen. Musizierend und lauschend folgen sie dem Froschmädchen, das sie zu seinem Zuhause führt, wo die Froscheltern endlich die Begabung ihrer Tochter erkennen.

Matthew Forsythe: Pokko und die Trommel. Aus dem Englischen von Rita Fürstenau. Rotpol Verlag, Kassel 2020. 64 Seiten. 18 Euro.

Eine scheinbar einfache Geschichte, aber tatsächlich steckt so viel mehr in Matthew Forsythes Bilderbuch! Es lebt von der reduzierten Mimik der Protagonisten: Die Frösche gucken fast immer gleich ausdruckslos, und das ist angesichts all dessen, was passiert, so himmelschreiend komisch, dass Vorleser und Kinder beim gemeinsamen Betrachten aus dem Lachen nicht herauskommen. Mit einem winzigen Perspektivenwechsel oder einer leichten Weitung der Pupille werden hier größtmögliche Effekte erzielt. Ebenso wirkungsvoll arbeitet Forsythe mit der Methode, ein Bild auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten zweimal zu zeigen, fast identisch, aber in der zweiten Ansicht ganz nahe herangeholt, so dass kleine Details wie ein unheilschwanger verengter Blick oder ein Panik suggerierender Augenring perfekt in Szene gesetzt werden; winzige Details, die auf das nachfolgende Geschehen weisen. Obwohl sich einiges erahnen lässt, verblüffen manche Plot-Twists völlig. Mitten im schönsten Musizieren isst (nicht frisst!) der Wolf den Hasen. Haps. Weg. Dies ist der einzige Moment im Buch, in dem Pokko die anderen Tiere hinter sich überhaupt wahrzunehmen scheint. Sie dreht sich zum Wolf um und macht unmissverständlich klar, dass dieses Verhalten unerwünscht ist. Sie führt die Tiere nicht nur mit ihrer Musik an - sie leitet sie tatsächlich, stark geworden durch ihre Trommel und das Bewusstsein, dass sie einfach gerne trommelt.

Forsythes Maltechnik tut ihr Übriges, um sein Publikum zu faszinieren. Die Bilder sind vielschichtig übereinandergelegt. Der Künstler arbeitet mit Wasserfarbe, Gouache und Buntstift, und mischt die Techniken. Das Ergebnis sind warme, leuchtende Bilder voller Tiefe, fast Dreidimensionalität, die den Blick fesseln. Dieses Bilderbuch ist reich an Humor, Ermutigung und Kunstfertigkeit. Man muss es unbedingt selbst lesen und auf sich wirken lassen! (ab 5 Jahre)

© SZ vom 24.11.2020
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