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Bilder von Hildegard Knef:Drama-Queen

Für sie soll's rote Rosen regnen: Hildegard Knefs Leben als Film - den hätte die Diva wohl selbst gerne gesehen. Bilder eines erstaunlichen Lebens.

Ruth Schneeberger

21 Bilder

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Die erste Ausgabe des Stern war ihre: 1948 nahm das Magazin, gerade erst geboren, eine Dame auf den Titel, die in Deutschland damals schon Furore machte: Hildegard Frieda Albertina Knef.

Foto: Stern

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Sie hatte gerade in Locarno für "Film ohne Titel" den Preis als beste weibliche Darstellerin gewonnen. Für die Leinwand entdeckt wurde sie von Wolfgang Staudte (links im Bild), der mit ihr den ersten deutschen Nachkriegsfilm drehte, der sie gleich international bekannt machen sollte: "Die Mörder sind unter uns" (1946). Hildegard Knef, 1925 geboren, wurde mit Anfang 20 zum ersten deutschen Nachkriegsstar ...

Foto: WDR

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... doch wer war die hübsche Jungschauspielerin? Und wie wurde aus ihr die internationale Diva, "die Knef"?

Da wären zunächst einmal diese Augen, ...

Foto: ap

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... die Hildegard Knef weit brachten: Ein leicht irisierender Blick, umrahmt von einem im Laufe der Jahre immer intensiver strahlenden Wimpernkranz, ...

Mit US-Schauspieler und Regisseur Erich von Stroheim/Foto: dpa

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... bis zum Schluss ein absurd dickes Wimpernpaar ausreichte, um an "Hilde Neff" zu erinnern, wie sie im Ausland genannt wurde. Menschen unter 40 ...

Foto: dpa

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... ist Hildegard Knef vor allem als eine Erscheinung in Erinnerung, die der Schriftsteller Max Goldt als "groteske Dame" verehren würde und die auch die Schauspielerin Heike Makatsch, bevor sie für den Kinofilm "Hilde" in Knefs Haut schlüpfen durfte, so gesehen hat: eine ältere Dame mit großen Brillen, schiefen Hüten und viel Lippenstift. Warum es nun ausgerechnet für sie so viele rote Rosen regnen sollte, wie von ihr bis zuletzt öffentlich eingefordert, ist für Jüngere nicht auf Anhieb zu verstehen.

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In Deutschland dagegen galten diese Drei noch als Skandal-Trio: Regisseur Willy Forst (l.) und die Hauptdarsteller Hildegard Knef und Gustav Fröhlich wurden von demonstrierenden Jugendlichen in Düsseldorf angefeindet: "Heil'gem Kampf sind wir geweiht, Gott verbrennt im Zornesfeuer eine Welt", skandierten sie vor den Kinos, warfen Stinkbomben und prügelten sich mit Kinobesuchern, die den Film sehen wollten.

Auf Flugblättern stand zu lesen: "Dieser Film spottet nicht nur der christlichen Moral, sondern auch des elementarsten menschlichen Anstandes, verhöhnt die Ehre unserer Frauen und Mädchen, gefährdet das gesunde Ehrbarkeitsgefühl unseres Volkes!"

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Hilde goes Hollywood. Hildegard Knef und ihr amerikanischer Kollege Tyrone Power im Dezember 1951 bei den Dreharbeiten zum Film "Diplomaten-Kurier".

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Früher Ruhm: "The Neff" verewigt sich vor "Grauman's Chinese Theatre" in Hollywood. Ihr deutscher Name wird amerikanisiert: In den USA ist sie "Hildegarde Neff". Sie hat inzwischen die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. 1952 wird sie in den USA zur Schauspielerin mit dem größten Sex-Appeal gewählt. Sie lernt Marilyn Monroe kennen - und Marlene Dietrich, die zu ihrer Antipodin werden soll.

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Nun ist sie auch in Deutschland wieder gern gesehen und darf noch vor Romy Schneider mit dem damals wohl schärfsten Schauspieler, den Männermangel-Deutschland zu bieten hatte, techtelmechteln: Hildegard Knef und Karlheinz Böhm in einer Szene des Films "Alraune" aus dem Jahr 1952.

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1955 debütiert sie am Broadway in dem Musical "Silk Stockings" (Seidenstrümpfe) von Cole Porter - bis heute gilt sie als einzige Deutsche, der es gelungen ist, in einer Hauptrolle am Broadway zu debütieren. Das Musical soll verfilmt werden, sie ist auch für die Hauptrolle vorgesehen, wird aber von ihrer Produktionsfirma nicht freigegeben - über diesen Streit verlässt sie 1957 die USA und kehrt zurück nach Deutschland. Ihre US-Karriere ist damit beendet.

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In Deutschland muss sie wieder von vorne beginnen, sich mit den anderen Diven messen lassen, ...

Mit Marlene Dietrich in Berlin/Foto: dpa

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... und spielt in europäischen Filmproduktionen mit, hier Katharina die Große, 1962.

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Verstärkt widmet sich die Knef nun ihrer Sangeskarriere, erhält als singende Hilde in der BBC eine eigene Fernsehshow "The Hildegarde Neff Show". 1962 singt sie "Er war nie ein Kavalier", was uns zu den Männern in Hildegard Knefs Leben führen muss:

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1959 lernt sie bei Dreharbeiten in Großbritannien ihren zweiten Ehemann kennen, den damals noch verheirateten David Cameron. Sie selbst war von 1947 bis 1952 mit Kurt Hirsch verheiratet, einem sudetendeutschen Juden, dessen Eltern mit ihm auf der Flucht vor der Shoah in die Vereinigten Staaten hatten entkommen können. In Hollywood hatte er als Agent für Schauspieler gearbeitet, konnte aber nicht verhindern, dass die Vertragsfirma seiner Frau jahrelang keine Rollen gegeben hatte.

Noch vor Kriegsende war sie mit dem "Reichsfilmdramaturgen" Ewald von Demandowsky verbandelt, der zugleich Produktionschef der Filmfirma Tobis war. Nun also trifft sie auf den britischen Schauspielkollegen Cameron und heiratet ihn 1962. Ihre gemeinsame Tochter kommt 1968 zur Welt: Christina Antonia. Damals ist Hildegard Knef 42 Jahre alt.

Das Kind kommt sieben Wochen zu früh per Kaiserschnitt auf die Welt. Die Mutter schwebt kurzzeitig in Lebensgefahr: Durch die Bluttransfusionen bei der Notgeburt infiziert sie sich mit dem Hepatitis-Virus. Christina leidet seitdem an zerebraler Kinderlähmung. Knef kann ihre Tochter erst nach 4 Wochen durch eine Glasscheibe sehen, nach 6 Wochen im Arm halten. Nach eigener Aussage war das Mädchen "kein Wunschkind".

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Folgenschwere Geburt: Hildegard Knef mit ihrer Tochter Christina 1976. Noch Jahre später leidet Knef an den Spätfolgen der Geburt. 1973 schwebt Knef erneut zwischen Leben und Tod: In Basel wird sie nach einem Blutsturz zwei Mal operiert.

Damals stufen die Ärzte ihre Überlebenschancen als gering ein. In dieser Zeit erhält Knef erste hoch dosierte Morphiuminfusionen. Kurz darauf erkrankt sie an Brustdrüsenkrebs.

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Hildegard Knef, 1995

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Ihre Strahlkraft und ihr Leiden, die Höhenflüge und Abstürze, die seelische und finanzielle Achterbahn ihres Lebens, das Drama um Leben und Tod ihrer Tochter und ihrer selbst, das Suchen und Finden der Liebe und der unermüdliche Wille, immer wieder von vorne zu beginnen - all das verarbeitete Hildegard Knef in ihren Liedern. "Sie ist die größte Sängerin ohne Stimme", soll die Jazz-Ikone Ella Fitzgerald über sie gesagt haben.

Dunkel, rauchig, voller Trotz - ihr Gesang erinnert an den Rauch einer Zigarette. Sie nimmt unzählige Alben auf - ihr bekanntestes Lied bleibt das 1968, kurz nach der Geburt ihrer Tochter aufgenommene "Für mich soll's rote Rosen regnen" - ihre eigene Hymne. 1970 wird sie Buchautorin und landet einen Bestseller mit dem Titel "Der geschenkte Gaul". Es handelt sich um ihre Autobiographie.

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Nach 16 Jahren Ehe wirft sie David Cameron aus ihrem Hotelzimmer und lässt sich fortan von einem Bodyguard bewachen. Ihr Gatte hatte hinter ihrem Rücken über die internationalen Rechte an einem ihrer Bücher verhandelt. 1976 lässt sie sich von ihm scheiden. Ein Jahr später heiratet sie erneut:

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Mit Paul Rudolf Freiherr von Schell zu Bauschlott, genannt Paul von Schell, bleibt sie bis zu ihrem Tod verheiratet. Er stammt aus einem alten österreichisch-ungarischen Adelsgeschlecht und ist 15 Jahre jünger als die Knef. Von da an ...

Foto: ddp

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... verläuft ihre weitere Karriere schleppend: Die Bücher verkaufen sich schlechter, ihre Krebserkrankung füllt die Schlagzeilen. In der Bunten erklärt sie: "Ich bin es meinem Publikum schuldig, dass ich ansehnlich aussehe, wenn ich auf die Bühne komme." Deshalb lässt sie sich 1979 das Gesicht liften. Was heute für alternde Stars zum guten Ton gehört, löste damals einen monatelangen Boulevard-Rummel aus. Die Knef flieht erneut in die USA.

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Dort feiert man zwar ihre Rückkehr, hat aber nicht mehr viele Rollen für eine Frau ihres Alters übrig. Nachdem sie 1987 noch ein erfolgreiches Comeback als "Fräulein Schneider" am Berliner Theater des Westens feiert, kehrt sie 1989 aus den USA wieder nach Deutschland zurück - hoch verschuldet. 1992 veröffentlicht sie noch einmal ihre Hymne, "Für mich soll's rote Rosen regnen", in einer Neuauflage mit der Rockband Extrabreit. Ihr Trotz und ihre stetigen Verjüngungskuren zahlen sich aus - mit dieser Version ihrer Lebenshymne hat sich die Knef für ihre jüngeren meist männlichen Fans unsterblich gemacht.

Fortan wird sie als legendärer Film- und Chansonstar von Fernsehshow zu Talkshow gereicht. Ihre letzten Jahre werden von Krankheiten überschattet. Nachdem sie mehrere Monate in einem deutschen Krankenhaus verbringen muss, erhält sie 2001 wieder die deutsche Staatsangehörigkeit.

Auf dem Foto erhält sie aus den Händen von Roger Willemsen den "Echo" für ihr Lebenswerk. Neun Monate später, 2002, stirbt sie nach jahrelangem Leiden. Ausgesöhnt mit der Welt? Glücklich über ihr reiches Leben? "Wohl eher nicht", berichtet ihre Tochter bei "Beckmann" im Vorfeld des Filmes "Hilde", in dem Heike Makatsch in Hildes Haut schlüpft. Der Film startet am 12. März in den deutschen Kinos.

Foto: dpa

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