bedeckt München 13°
vgwortpixel

Bildband zu "Der Pate":"Ich habe es geliebt, es war ein Traum"

Die wichtigste Notiz findet sich auf Seite 365 des Romans (siehe Abbildung unten), zweifach rot markiert und unterstrichen. An dieser Stelle beschreibt Sohn Michael, später von Al Pacino dargestellt, seinen Vater, den Paten. Dieser sei kein Gangster, wie die Zeitungen behaupten, sondern ein Mann, der seine Familie beschützen wolle, weil er glaubt, dass die Gesellschaft dazu nicht in der Lage ist. "Er handelt nach einer Moral, die er im Vergleich mit den legalen Strukturen der Gesellschaft als überlegen empfindet." Coppola schreibt darüber: "What this book is about", die Kernbotschaft, die seine "Paten"-Trilogie dann bis zur letzten Szene prägen würde.

Er unterteilte das Buch bei seiner Arbeit in fünf Akte, und diese wiederum in jeweils 50 Abschnitte beziehungsweise Szenen, die manchmal mit der Aufteilung des Romans übereinstimmen, oft aber auch nicht. Vor jedes seiner fünf Hauptkapitel schrieb Coppola noch eine Übersicht, die nun auch im "Notebook" abgedruckt ist. Diese enthält jeweils eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse, so simpel wie möglich formuliert, damit er sich später am Set, unter Geld- und Zeitdruck, jederzeit schnell daran erinnern konnte, worum es ihm eigentlich geht.

Er wollte sich für alle Szenen vorab notieren, was er falsch machen könnte

Aus demselben Grund notierte er sich auch stets die Zeitumstände, das Weltgeschehen in ein paar Stichwörtern dazu. Coppola bestand gegenüber dem Studio darauf, dass der Film wie der Roman kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einsetzt, im Sommer 1946, was das Unternehmen natürlich teurer machte, die Kostüme, die Kulissen. Zum Beispiel war es ihm wichtig, dass auf der großen Familienfeier, mit welcher der Film beginnt, viele junge Männer zu sehen sind, zivil und in Uniform. Ein Zeichen, dass der Krieg vorbei ist, ein paar Monate zuvor wäre es ein Fest mit Frauen und Greisen gewesen, die Männer noch an der Front.

Die wichtigste Zusammenfassung, die Coppola sich vor jeden seiner Buch-Abschnitte schrieb, sind die "Fallgruben", wie er es nannte. Er wollte sich für alle Szenen vorab notieren, was er falsch machen könnte, damit genau das bei den Dreharbeiten nicht passieren würde. Die schlimmste Fallgrube, unbedingt zu vermeiden: "Italians who-a, talka lika-dis", die üblichen Klischees über die Aussprache der Italo-Amerikaner.

Die Dreharbeiten selbst waren chaotisch, berichtet Coppola, eine harte Zeit. Aber seine Arbeit am "Notebook" zähle bis heute zu seinen schönsten Erinnerungen. "Ich nahm mein Notizbuch, meine Schreibmaschine und einen Packen Papier, fuhr ins Caffè Trieste im Stadtviertel North Beach und arbeite am Drehbuch. Für viele Wochen habe ich das jeden Tag so gemacht. Ich saß in einem lauten Café, es wurde viel Italienisch gesprochen, die hübschen Mädchen drängten sich vorbei, ich habe es geliebt, es war ein Traum."

Nachdem der Film sowohl den Romanautor Mario Puzo als auch den Regisseur Francis Ford Coppola zu Stars gemacht hatte, fragte Coppola den Schriftsteller eines Tages, welcher Mafiaboss eigentlich das reale Vorbild für den Paten Don Corleone gewesen sei. Aber der winkte ab, und erwiderte: "Kein Mafiaboss, Francis, zum Paten hat mich vor allem meine Mutter inspiriert. Die hat auch immer gesagt: ,Ich werde ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann'."

Francis Ford Coppola: The Godfather Notebook. Regan Arts, New York 2016. 784 Seiten, 51,95 Euro.

Lesen Sie mit SZPlus:
Steven Spielberg "Meine Albträume habe ich lebendig vor Augen"
SZ-Magazin

Interview mit Steven Spielberg

"Meine Albträume habe ich lebendig vor Augen"

Steven Spielberg erklärt, warum er mit seinen Phobien nicht zum Therapeuten geht - und dass ihn kein Filmemacher so sehr traumatisiert hat wie Walt Disney.   Interview: Sven Michaelsen, SZ-Magazin