Die junge Bremer Fotografin hat die Kinder der neuen russischen Elite in den Posen Erwachsener fotografiert, sie in der Tradition der Gesellschaftsmaler aus dem Amerika und Russland des späten 19. Jahrhundert inszeniert und so einen wirklich prächtigen Foto-Essay erstellt.

Weil es sich hier aber um die Kinder einer winzigen Elite handelt, die den Umbruch einer großen Gesellschaft als Gewinner überstanden hat, ist die Interpretation nicht ganz so einfach. Da führt der ausführliche Essay des Fotografie-Kritikers Bill Kouwenhoven zwar auf erste Spuren. Doch letztlich bleiben mehr Fragen zurück als Antworten.

Kouwenhoven sieht die Wurzeln der Arbeit in Alexis de Tocquevilles Schrift "Über die Demokratie in Amerika", in welcher der französische Historiker 1835 das Spannungsverhältnis zwischen den demokratischen Freiheiten und den neuen Reichtümern in der aufbrechenden amerikanischen Gesellschaft beschrieb. Nun kann man jede Arbeit mit soziologischem Anspruch mit einem Tocqueville-Vergleich adeln. Die historischen Parallelen des neuen Russland mit dem jungen Amerika und seinem Konkurrenten, dem russischen Zarenreich, sind grob, aber nachvollziehbar.

Alisia im Pelzgeschäft ihrer Mutter, Moskau 2009

Bild: Anna Skladmann, Kehrer Verlag 15. September 2011, 13:342011-09-15 13:34:29 © SZ vom 15.09.2011/pak/bgr