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Bildband:Die dunkle Seite des Ruhms

Erobern und unterjochen für Krone und Kreuz. Die Weltumseglung des Fernando Magellan in Bildern von Klaus Ensikat

Von Siggi Seuss

Schon bei der Betrachtung der Illustrationen von Klaus Ensikat werden junge und alte Welterforscher neugierig. Kein Wunder. Hier gehts in ferne, ferne Welten! Christine Schulz-Reiss erzählt in "Fernando Magellan - einmal um die ganze Welt" die Geschichte des ersten Weltumseglers, der mit einer Flotte von fünf Schiffen 1519 aufbrach, um den westlichen Seeweg zur Inselgruppe der Molukken in Südostasien aufzuspüren und die Dominanz über den Handel mit Gewürzen zu gewinnen.

Da wird sofort der Diercke-Weltatlas neben das Buch gelegt, um die Reiseroute zu verfolgen. Schließlich kennen Forschernaturen jeden Alters die Magellanstraße und sie wissen etwas vom Schicksal des portugiesischen Seefahrers, der 1517 zu den Spaniern überlief, nachdem er bei seinem König in Ungnade gefallen war. Man kennt das unrühmliche Ende der Mission. Nur ein Schiff von fünfen kehrte nach drei Jahren zurück, nur 18 von ursprünglich 239 Mann Besatzung überlebten. Magellan selbst starb bei einem Gemetzel mit Eingeborenen auf der Insel Mactan im Südpazifik. So weit, so bekannt.

Natürlich steht oft das Heroische einer Expedition im Mittelpunkt. Die Hintergründe von Ruhm und Scheitern bleiben dabei nebensächlich. Die Tragödie bestand ja nicht nur im Tod so vieler Seeleute, in Intrigen und Meuterei, im Kampf gegen Naturgewalten und die furchtbaren hygienischen Verhältnisse an Bord. Der Teil der Tragödie, der häufig im Schatten von Heldenerzählungen bleibt, ist der des Umgangs selbsternannter Herren mit den Menschen in eroberten Gebieten. Magellan und seine Mitstreiter unterjochten im Auftrag von Krone und Kreuz fremde Stämme, um exotische Rohstoffe zu erbeuten - um der Macht, Gier und des Profits willen. Ein Prinzip, das Schule machte.

Insofern sollte zur Darstellung des Abenteurertums von Eroberern immer auch die dunkle Seite ihres Tuns gehören. Die erfahrene Sachbuchautorin blendet diesen Teil der Geschichte nicht aus. In verständlichem Ton wird von Magellans Kindheit und Jugend erzählt. Fast könnte man schon Sympathien für den aufgeweckten jungen Mann entwickeln. Als er jedoch eine hervorragende Figur im Machtapparat wird, verliert sich die Zuneigung.

Erzählt wird nun von den unermesslichen Strapazen, getrieben von Abenteurertum, Anmaßung und Gier. Das alles untermalt Klaus Ensikat in seiner unverwechselbaren altmeisterlichen Federstrichweise, mit der er selbst in den exotischsten Szenen die nüchterne Wirklichkeit bis aufs kleinste Detail zeigt. (ab 10 Jahre)

Christine Schulz-Reiss: Fernando Magellan - einmal um die ganze Welt. Mit Bildern von Klaus Ensikat. Kindermann Verlag, Berlin 2021. 36 Seiten, 18 Euro.

© SZ vom 29.01.2021
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