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Bild-Zeitung:Och nö

(Foto: Facebook/Kai Diekmann)

Hallo, ich bin auch sehr lustig: Kai Diekmann erfindet ein Interview mit Jan Böhmermann.

Auf ihrer Webseite titelte die Bild am Mittwoch mit einem Interview zum Böhmermann-Komplex, das in der Logik des Boulevardblattes auf der Hand lag. Unter der Überschrift "Das sagt der Dönermann von Böhmermann" erzählte Erol Günes, Kebab-Verkäufer aus Köln, der Satiriker esse bei ihm "mindestens einmal in der Woche", meist einen Lammspieß.

Auf der Facebook-Seite des Bild-Herausgebers Kai Diekmann fand sich am selben Morgen ein anderes Interview zum Thema. Diekmann sprach, so sah es aus, exklusiv mit Böhmermann, der seit Tagen alle Interviewanfragen ablehnt. Dessen Anwalt, hieß es im Text, habe ihm zu dem Gespräch geraten. Das Interview schmückte ein Foto, das angeblich Diekmann und Böhmermann Seite an Seite zeigte.

Während in der Debatte um das Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Künstler wie Igor Levit und Matthias Brandt in einem offenen Brief fordern, das Verfahren einzustellen, fühlen sich gleichzeitig viele bemüßigt, die eigene Satirefähigkeit unter Beweis zu stellen. Dieter Hallervorden singt "Erdoğan, zeig mich an", Verlagschefs solidarisieren sich mit dem Verfolgten, und Kai Diekmann hat nun einen Scoop erfunden. "Das ganze Leben ist Satire. Man muss sie nur erkennen", twitterte er samt Zwinkersmileys, nachdem er zunächst eine Grußadressen für seinen vermeintlichen Coup entgegengenommen hatte und die erfundenen Zitate durchs Netz rasten.

Diekmann lässt Böhmermann über das ZDF und die Kanzlerin lästern und sich bei jenen unbeliebt machen, die bereits das Erdoğan-Gedicht rassistisch fanden: "Man muss auch mal einen Klöten-Witz machen dürfen, ohne dass gleich die Messer gezückt werden, um mal ein Bild aus dem Kulturkreis zu verwenden." Der echte Böhmermann steht inzwischen unter Polizeischutz. Es ist also ganz im Sinne einer sich selbst fortschreibenden Geschichte, wenn Bild.de am Nachmittag voller Sorge fragt: "In welcher Gefahr schwebt Böhmermann?"

© SZ vom 14.04.2016

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