Die Bild-Zeitung goes Oper. Das ist die gute Nachricht. Für ihre Abonnenten ermöglicht die Boulevardzeitung am 8. Juli Zugang zu der Live-Übertragung von Wolfgang Amadé Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ aus der Berliner Staatsoper Unter den Linden mit dem Komiker Bülent Ceylan. Weitere Aufführungen sollen folgen. Aber was verbindet Bild-Zeitung-Leser mit der von einigen als eher speziell wahrgenommenen Kunstform? Ach was, Oper sei gar nicht elitär, sondern populär, schreibt Springer-Vorstand Mathias Döpfner nun in der noch immer mit Abstand populärsten deutschen Zeitung. Kommt also endlich zusammen, was zusammen gehört?
Die Oper „schildert Dramen vor allem von Liebe und Tod.“ Stimmt genau
Der erste Satz unter der Zwischenüberschrift „Oper ist BILD ziemlich ähnlich“ in Döpfners Artikel lautet: „Für mich ist Oper die Summe aller Künste.“ Gilt das für Bild also auch? Döpfner ist kein Laie, er ist ordentlicher Musikwissenschaftler, wurde über Musikkritik promoviert und war selbst Musikkritiker, bevor er sich dann doch noch einen ansehnlichen Lebensstandard leisten konnte. Wenn nun also die Oper der Bild-Zeitung „auf den zweiten Blick … ziemlich ähnlich“ ist, ist die Bild dann also, wenn schon nicht die Summe aller Künste, dann wenigstens die Summe des Journalismus?
Für Döpfner ist das möglicherweise eine rhetorische Frage. Denn auch die Oper greife „mitten ins Leben“, schreibt er. Oft ins Leben der anderen, sollte man mit Blick auf Bild vielleicht ergänzen. Die Oper „schildert Dramen vor allem von Liebe und Tod“. Stimmt genau, auch bei Bild. „Sie verkürzt, personalisiert und emotionalisiert.“ Und da sind nun Oper und Boulevardzeitung wirklich eins. Nur die abschließende Einschätzung wirft Fragen auf: „Sie stimuliert den Verstand, aber vor allem berührt sie das Herz.“ Dass die Bild-Zeitung den Verstand stimuliere – darauf wäre man nicht gleich gekommen. Aber das ist auch in der Oper nicht für alle Zuschauer das Wichtigste.

