Die Jury der diesjährigen Biennale in Venedig ist geschlossen zurückgetreten. Das gaben die fünf Mitglieder in einer knappen Mitteilung auf der Plattform e-flux bekannt. „Mit Wirkung zum 30. April 2026 sind wir, die von Koyo Kouoh, dem künstlerischen Leiter der 61. Ausgabe der La Biennale di Venezia In Minor Keys, ausgewählte internationale Jury, zurückgetreten“, heißt es darin. Man tue dies „in Übereinstimmung mit unserem am 22. April 2026 veröffentlichten Leitbild“.
Unter dem Statement sind die Namen der Jurymitglieder aufgelistet. Es sind Solange Oliveira Farkas, Zoe Butt, Elvira Dyangani Ose, Marta Kuzma und Giovanna Zapperi. Die Ausstellung bestätigte den Rücktritt in einer ebenso knappen Pressemitteilung.
Um die diesjährige Kunstbiennale gibt es seit einiger Zeit Wirbel. Erstmals seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 ist Russland bei der wichtigen Ausstellung für zeitgenössische Kunst wieder zugelassen und wird voraussichtlich wieder seinen Pavillon bespielen. Die Entscheidung ist umstritten und löste massive Kritik aus. Die EU drohte den Verantwortlichen der Kunstbiennale deswegen mit der Streichung von Zuschüssen in Millionenhöhe.
Die Jury hatte kürzlich bekanntgegeben, bei der Preisvergabe dieses Jahr keine Länder berücksichtigen zu wollen, deren Staats- und Regierungschefs vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) mit Vorwürfen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit konfrontiert sind. Von der Jury wurden keine bestimmten Länder genannt. Derzeit bestehen allerdings gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin wegen möglicher Kriegsverbrechen in der Ukraine und gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Gazastreifen Haftbefehle vom IStGH. Angeklagt sind Putin und Netanjahu nicht – Anklage kann erst erhoben werden, wenn ein Verdächtiger festgenommen wurde.
Die Leitung der Biennale teilte bei der Verkündung des Vorhabens der Jury mit, diese handele „in voller Autonomie und Unabhängigkeit des Urteilsvermögens“. Ihre Entscheidung sei „eine Positionierung, die die Mitglieder beschlossen haben, vorwegzunehmen und öffentlich zu machen“.

