Aufruf zu Ausschluss Israels von der Kunstbiennale:Keine Kunst

Aufruf zu Ausschluss Israels von der Kunstbiennale: Venedig im April 2022: Besucher gehen vor dem offiziellen Start der 59. Kunstbiennale durch das Gelände zum Hauptpavillon im Giardini.

Venedig im April 2022: Besucher gehen vor dem offiziellen Start der 59. Kunstbiennale durch das Gelände zum Hauptpavillon im Giardini.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Eine Initiative von Künstlern und Kulturschaffenden fordert den Ausschluss Israels von der Kunstbiennale in Venedig.

Von Jörg Häntzschel

Eine bisher unbekannte Initiative von Künstlern hat in einem offenen Brief dazu aufgerufen, Israel von der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig auszuschließen. Die Gruppe, die sich "Art Not Genocide Alliance" nennt, wirft Israel "Völkermord" vor und behauptet, Israel habe ein "grausames Apartheidsystem" etabliert, das ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" darstelle. Bisher haben über 8000 Künstler und Kulturschaffende den Brief unterzeichnet.

In ihrem Brief verweisen sie auf zwei Vorbilder: Während des Apartheidregimes in Südafrika war das Land zunächst auf der Biennale für unerwünscht erklärt worden und dann, von 1968 an, offiziell ausgeschlossen. Erst 1993, nach dem Ende der Apartheid, nahm es an der Ausstellung wieder teil. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine vor zwei Jahren wiederum habe sich die Biennale-Leitung unmissverständlich gegen Russlands militärische Aggression ausgesprochen und erklärt, man werde Vertreter der russischen Regierung oder offizielle russische Delegationen auf der Biennale nicht dulden. Dass die Biennale zu Israel "schweige", komme einem "doppelten Standard" gleich. Während die Künstlerin Ruth Patir sich im israelischen Pavillon mit weiblicher Fruchtbarkeit beschäftigen werde, müssten palästinensische Mütter ihre Kinder auf der Straße gebären.

Der offene Brief ist der jüngste von vielen israelfeindlichen Statements, die seit dem Beginn des Kriegs zwischen Israel und der Hamas von Künstlern veröffentlicht worden sind. Unter ihnen war auch "Strike Germany", mit dem mehrere tausend Kulturschaffende zum Boykott deutscher Kulturinstitutionen aufriefen.

Die Kunstbiennale in Venedig, die weltweit wichtigste Ausstellung von Gegenwartskunst, wird am 20. April eröffnet. Der deutsche Pavillon wird von der aus Israel stammenden Künstlerin Yael Bartana und dem deutschen Theaterregisseur und Performance-Künstler Ersan Mondtag bespielt und von Çagla Ilk kuratiert.

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