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Bibliotheken - Chemnitz:Stefan-Heym-Forum öffnet in Chemnitz

Berlin
Ein Chanukkaleuchter steht in der "Stefan und Inge Heym Arbeitsbibliothek" vor den Büchern. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB/Aktuell (Foto: dpa)

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Chemnitz (dpa) - Der hölzerne Schreibtisch ist aufgeräumt: Neben der schwarzen "Erika"-Schreibmaschine liegt ein dicker Band mit der Aufschrift "DER TAG X. Roman von Stefan Heym". Der Text über den Volksaufstand von 1953 habe damals nicht in der DDR erscheinen dürfen, erzählte die Witwe Inge Heym am Freitag in Chemnitz. Deswegen habe er ihn auf eigene Faust gedruckt und Freunden geschickt. Hinter dem Schreibtisch reihen sich Hunderte Bücher im Originalmobiliar aus Heyms Berliner Wohnhaus - Erstausgaben, Romane und Erzählungen samt Übersetzungen in andere Sprachen sowie Werke befreundeter Autoren.

Die Arbeitsbibliothek von Stefan und Inge Heym ist Herzstück eines neuen Forums in Chemnitz zu Leben und Werk des Schriftstellers, der als einer der wichtigsten Autoren der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte gilt. Sie umfasst den Angaben nach rund 2500 Bände, von denen ein Großteil in dem gläsernen Zimmer gezeigt wird. Ergänzt wird dies von einer multimedialen Ausstellung mit Zeitzeugeninterviews und persönlichen Gegenständen. "Es ist kein Museum, sondern eine Forschungsstätte", betonte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD). Dazu wurden ihren Angaben nach rund 250 000 Euro investiert.

Mit dem Forum, das am Freitagnachmittag offiziell eröffnet werden sollte, wird die Bibliothek dauerhaft der Forschung zugänglich. "Nun wird jetzt hier das letzte Kapitel geschrieben", konstatierte Inge Heym sichtlich bewegt. "Es ist absolut in seinem Sinn, dass seine Bücher hierher zurückgekommen sind und sein Schreibtisch hier steht." Chemnitz ist Heyms Geburtsstadt.

Gemeinsam mit der Stefan-Heym-Gesellschaft und der Professur für Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft der Chemnitzer Universität will die Stadt eine Forschungsstelle etablieren. Sie soll Tagungen und Symposien veranstalten und bisher unveröffentlichte Werke Heyms sowie eine historisch-kritische Ausgabe seines Gesamtwerks herausgeben.

In Chemnitz wurde Heym 1913 in einem deutsch-jüdischen Elternhaus geboren und floh später vor den Nationalsozialisten in die USA. Ab 1952 lebte er in der DDR, wo er zu einer wichtigen Stimme der oppositionellen Literatur wurde. Der Roman "Der Tag X" von seinem Schreibtisch erschien erst Jahre später unter dem Titel "5 Tage im Juni" im Westen.

Zu seinen bekanntesten Romanen zählen auch der Kriegs-Bestseller "The Crusaders" ("Der bittere Lorbeer"), "Der König David Bericht", "Schwarzenberg" und "Die Architekten". In den 1990er Jahren saß er zeitweise für die damalige PDS im Bundestag. Heym, Ehrenbürger von Chemnitz, war am 16. Dezember 2001 mit 88 Jahren an Herzversagen in Jerusalem gestorben.

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