Beuys-Ausstellung in Düsseldorf:Ablegen nach Ableben

Das können die Handwerker machen: Eine Ausstellung in Düsseldorf zeigt, wie man das Werk von Joseph Beuys vor verstaubter Musealisierung rettet.

Catrin Lorch

Joseph Beuys saß noch selbst hinter dem Steuer, als er "The pack (das Rudel)" in der Neuen Galerie in Kassel aufbaute: Langsam lenkte er den alten VW-Bus bis in die Ecke des großen Saales, wo er ihn, Frontscheibe zum breiten Durchgang, parkte und hinter der geöffneten Heckklappe 24 Schlitten arrangierte. Es sah so aus, als stürzten sie, ausgestattet mit fest verzurrter Stablampe, Filzdeckenrolle und einer kleinen Skulptur aus Butter und Bienenwachs, in militärischer Dreier-Formation hinter einem Anführer her.

Beuys-Ausstellung in Düsseldorf

Andrang in Düsseldorf: Nach wie vor gilt Joseph Beuys, 1921 geboren in Kleve am Niederrhein, 1986 gestorben in Düsseldorf, als wichtigster deutscher Künstler des 20. Jahrhunderts.

(Foto: Achim Scheidemann/dpa)

Doch als Marion Ackermann, die Direktorin der Kunstsammlung des Landes Nordrhein-Westfalen, jetzt ihre Ausstellung "Joseph Beuys Parallelprozesse" zur Quadriennale im neuen Anbau ihre Hauses aufstellte, wirkte die Formation zunächst leblos. So richtete sie die Räder und Kufen kurzerhand anders aus, schließlich existiert ein altes, an einem Feldrand aufgenommenes Schwarzweißfoto, auf dem purzeln die Klappschlitten durcheinander wie Welpen vor der Hundekiste. Ein anderes Foto zeigt den Bus auf dem Kunstmarkt im Jahr 1969, wo sie sich eine Wand entlang drängeln, wie Schlittenhunde, die noch nicht ganz im Geschirr sind.

Die Aufstellung ist nun ähnlich locker gelungen, sieht bewegt aus und frisch - auch wenn der Kleinbus nicht mehr auf eigenen Rädern ins Museum fährt, sondern, von Restauratoren bewacht, auf Walzen und Rollen hineingleitet.

"So eine Installation ist ja keine Puppenstube", sagt Marion Ackermann, die, wie ihre Co-Kuratorin Isabelle Malz, zu einer Generation von Museumsmenschen gehört, die den 1986 gestorbenen Künstler nicht mehr selbst erlebt haben. Ihrem Katalogvorwort stellen sie selbstbewusst ein Beuys-Zitat aus dem Jahr 1975 voran, das ihnen gewissermaßen im Vorhinein Absolution erteilt: "Die Museen werden dadurch, dass andere Menschen hineinkommen, auch immer wieder anders mit den Dingen umgehen."

Der Titel ihrer mit 300 Arbeiten auf 3000 Quadratmetern umfassenden Ausstellung bezeichnet den Versuch, vor allem die Vernetzungsstrukturen des Werks sichtbar und "sinnlich erfahrbar" zu machen. "Die Person draußen lassen", war ihr Credo, sie wählten zehn Hauptwerke aus, gestalteten ein Umfeld entlang formaler oder inhaltlicher Kontexte und verzichteten auf dokumentarisches Material - nur in der Eingangshalle starrt Beuys als Filmloop auf seine Besucher und auf der Treppe ins Obergeschoss hört man ihn sein "neneneenenee, jajajajajaa" seufzen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, womit die Ausstellung überrascht.

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