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Berühmte letzte Worte:Schieß ruhig, Feigling

Der Bundesverteidigungsminister denkt gar nicht ans Abtreten, von Abschiedsworten keine Spur. Andere berühmte Persönlichkeiten haben sich sehr wortgewandt verabschiedet.

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Quelle: oH

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Das Jahr hat gerade begonnen und Sie warten auf unsere ersten Worte an Sie? Zum Anfang von 2011 bekommen Sie von uns stattdessen die letzten Worte berühmter Persönlichkeiten.

Mit den letzten Worten ist das so eine Sache. Es ist kaum zu verifizieren, ob ein Sterbender die ihm zugeschriebenen Worte tatsächlich gesagt hat. Meist ist es ein Zeuge, der dem Dahinscheidenden seine letzte Botschaft abnimmt - mangels Alternative unterstellt die Nachwelt diesen Zeugen im Allgemeinen Glaubwürdigkeit.

Prominente Beispiele für stark angezweifelte bzw. nachweislich falsche letzte Worte sind Julius Cäsars "Auch Du, mein Sohn" oder Humphrey Bogarts "Ich hätte nie von Scotch auf Martinis umsteigen sollen". Der Eine war aufgrund der Verletzungen kaum mehr in der Lage, einen letzten Gruß in Richtung seines Mörders Brutus zu adressieren. Der Andere verabschiedete sich laut Schauspielkollegin Katherine Hepburn von seinem Freund Spencer Tracy ("Goodbye, Spence"). Für Fans des Zynikers Bogart wohl zu trivial, um wahr zu sein.

Nicht bewiesen aber wahrscheinlich sind die letzten Worte des großen mexikanischen Freiheitskämpfers Pancho Villa (1878 - 1923). Nachdem dieser bei einem Attentat auf offener Straße von einer Revolverkugel tödlich getroffen worden war, soll er einem Anwesenden zwei Sätze diktiert haben, die er so wohl nicht zitiert haben wollte:

"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."

Text und Bildauswahl: Jassien Kelm/sueddeutsche.de/kar/bön

Johann Wolfgang von Goethe, 1828

Quelle: AP

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Wohlbekannt sind die letzten Worte Johann Wolfgang von Goethes (1749 - 1832), Dichter und bedeutendster Vertreter des Sturm und Drang, der Weimarer Klassik und gefühlt aller weiteren Epochen der Literaturgeschichte. Der Verfasser des meistzitierten Werks der deutschen Literatur (Faust I) beschloss sein Leben angeblich mit einem standesgemäßen

"Mehr Licht",

das so herrlich viel Spielraum für Interpretationen lässt: Was wollte uns der große Denker damit sagen? Wohl meinte er das Licht der Aufklärung, das der Nachwelt scheinen sollte. Oder forderte der stets nach mehr Bildung strebende Naturwissenschaftler ganz pauschal noch mehr Wissen, Geistesschärfe, Erleuchtung?

Die Aussage scheint, gleich wie man sie auslegt, eines Genies würdig. Daher fällt es uns an dieser Stelle wirklich schwer, anzufügen, dass es sich bei dem Ausspruch des Meisterdichters lediglich um einen Auszug handelt. Das vollständige Zitat liest sich ungleich banaler:

"Macht doch den zweiten Fensterladen auch auf, damit mehr Licht hereinkomme."

Schlimm genug, dass die letzten Worte des Genies durch ein so irdisches Bedürfnis abgewertet werden, doch es kommt noch schlimmer: Überbringer der Goethe'schen Hinterlassenschaft für die Nachwelt war der Arzt Carl Vogel. Der soll zum betreffenden Zeitpunkt jedoch gar nicht anwesend gewesen sein.

jesus

Quelle: SZ

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Schwer auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen sind die angeblich letzten Worte des Jesus von Nazareth (4 v. Chr. - ca. 30 n. Chr.). Der populäre Religionsstifter und Sohn Gottes war im Haus- und Schiffbaugewerbe tätig, aufgrund einer irreführenden Übersetzung wird als erlernter Beruf meist "Zimmermann" angegeben. In jedem Fall verdiente er seinen Lebensunterhalt vor rund 2000 Jahren in Vorderasien als Bauhandwerker im weitesten Sinne. Seine letzten Worte bestanden nach der gängigsten Version aus einem viersilbigen

"Es ist vollbracht",

kurz darauf starb er den Märtyrertod (siehe Bild, 4. v. r.). So wurde die Geschichte zumindest von Johannes niedergeschrieben. Da es sich bei diesem Autor um den Lieblingsjünger Jesu handelte, der, wir erwähnten es eingangs, Gottes Sohn ist, zweifeln wir die Aussage nicht an und schieben vollständigkeitshalber die Quelle nach:

"Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied." (Johannes 19, 30)

Denim - der modische Dauerbrenner

Quelle: obs

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Als gesichert gilt das Zitat des Schauspielers James Dean, der 1955 in seinem Porsche 550 Spyder mit einem entgegenkommenden Ford kollidierte und im Alter von 24 Jahren starb. Nach Angaben von Deans Beifahrer Rolf Wütherich (einem deutschen Mechaniker, der schwerverletzt überlebte) waren die letzten Worte des rebellischen Darstellers:

"Der muss anhalten. Er wird uns sehen." ("That guy's got to stop. He'll see us.")

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Quelle: AFP

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Keinen Zweifel gibt es daran, dass nachfolgende Worte, mit denen der Dichter Dylan Thomas einen "Trink-Rekord" für sich beanspruchte, tatsächlich auf das Konto des Walisers gehen. Wegen ständiger Trinkgelage erholte sich der als Alkoholiker bekannte Thomas 1953 nicht mehr von einer Lungenentzündung. Folgender Ausspruch wird ihm zugeschrieben:

"Ich hatte achtzehn volle Whisky; ich denke, das ist Rekord."

Besagte Whisky soll er in der New Yorker White Horse Tavern getrunken haben. Auch daran gibt es keinen Zweifel. Aber: Der Besitzer der Gaststätte, der Thomas an jenem Novemberabend 1953 bediente, zweifelte nicht die Aussage als solche, wohl aber deren Wahrheitsgehalt an. Er gab an, der Dichter habe kaum mehr als die Hälfte der angegebenen Menge getrunken. Eine weitere Kleinigkeit relativiert den finalen Charakter des Zitats: Der Ausspruch des Poeten stammt vom 3. November 1953, Dylan Thomas starb aber erst am 9. November. Vor seinem Tod führte er noch zahlreiche Gespräche mit seinem Arzt - und kehrte ein weiteres Mal in die White Horse Tavern ein.

Der letzte deutsche Kaiser - Wilhelm II.

Quelle: dpa

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Als verbürgt gelten die letzten Worte von Wilhelm II, seines Zeichens letzter deutscher Kaiser. Der Monarch verschied am 4. Juni 1941 um 12:30 Ortszeit im niederländischen Exil mit einem dramatischen

"Ich versinke, ich versinke".

Konrad Adenauer, 1949

Quelle: AP

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Auf dem Sterbebett von seiner weinenden Familie umringt, sah sich der erste Bundeskanzler der Republik Konrad Adenauer genötigt, sehr umgangssprachlich Einhalt zu gebieten:

"Do jitt et nix zo kriesche" (Kölner Mundart für "Da gibt es nichts zu weinen")

Die Worte sind bestätigt, unsicher ist jedoch, ob es seine letzten waren.

Ernesto "Che" Guevara, 1960

Quelle: DPA

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Nicht zu beweisen ist wiederum das rebellische

"Schieß ruhig, du Feigling. Du wirst einen Mann töten",

das der Revolutionär Ernesto "Che" Guevara dem Soldaten entgegen schleuderte, der ihn am 9. Oktober 1967 in La Higuera (Bolivien) erschoss. Bestätigt oder nicht, Anhänger des Freiheitskämpfers glauben die Geschichte nur allzu gern. Der Comandante wollte mit seinem finalen Statement übrigens keineswegs sein (männliches) Geschlecht betonen. Gemeint war vielmehr, dass er als Einzelner zwar getötet werden könne, die Revolution jedoch nicht zu besiegen sei.

Gemälde von Jacques Louis David: Der Tod des Sokrates

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Von unbedingter Rechtschaffenheit zeugen die letzten Worte des Philosophen Sokrates. Dessen Freund und Schüler Platon beschreibt den Tod des berühmten Atheners, der 399 v. Chr. zum Tode verurteilt war, in seinem Dialog Phaidon. Demnach - und für Platon war die Wahrheit bekanntlich von höchstem Wert - schloss Sokrates mit einer Bitte, die im Angesicht des bevorstehenden Todes von geradezu lächerlicher Bedeutungslosigkeit zu sein scheint:

"O Kriton*, wir sind dem Asklepios einen Hahn schuldig, entrichtet ihm den, und versäumt es ja nicht."

*Gemeint war der ebenfalls anwesende Philosoph Kriton

© sueddeutsche.de/kelm/bön
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