Berlins Stadtmitte:Die zeitgenössische Architektur hat eine Chance bekommen - für Luxuswohnungen

Mit dem Land Berlin will und muss Parzinger vor allem über die Verkehrsplanung reden. Auf den Bildern der Landschaftsarchitekten sind keine Reisebusse zu sehen. Sie zeigen überhaupt viel weniger Menschen, als üblicherweise die Häuser der nahen Museumsinsel besuchen und auch ins Forum kommen sollen.

Im Streit um die Rekonstruktion der Schlossfassaden hieß es oft, so könne der Stadtraum wieder hergestellt, die Mitte urban ertüchtigt werden. Das geschieht aber nicht im Bild und nicht von allein.

Dass Kooperationen, Abstimmungen schwierig sind, haben jüngst die Reaktionen auf Parzingers doch keineswegs überraschende oder abwegige Initiative gezeigt, in der Bauakademie ein Haus der Architektur einzurichten. Schinkels Meisterwerk zwischen Schloss und Friedrichswerderscher Kirche könnte endlich wiederaufgebaut werden. 62 Millionen Euro hat der Haushaltsausschuss dafür bewilligt.

Die Stiftung will nicht Träger der Bauakademie werden, befürwortet aber ein Zentrum für Architektur mit Ausstellungen und unter Beteiligung vieler, des Kupferstichkabinetts und der Kunstbibliothek, der Technischen Universität, der Berlinischen Galerie, der Akademie der Künste.

In der Mitte müsse, hieß es während des Schloss-Streits, die zeitgenössische Architektur eine Chance bekommen. Das ist geschehen. Indem die Chance für Luxuswohnungen genutzt wurde, zerstörte man die gerade sanierte Friedrichswerdersche Kirche, ein Hauptwerk Schinkels in Spuckweite des Schlosses. Dort zeigte die Nationalgalerie klassizistische Skulpturen, bis die Dependance wegen der Bauschäden im Oktober 2012 geschlossen werden musste. Die politische Verantwortung dafür hat, wir sind in Berlin, niemand übernommen.

Ähnliche Misere wie rund um den Hauptbahnhof wird befürchtet

Irgendwann wird die Kirche vielleicht wieder eröffnet, aber, so Parzinger, die weitere Nutzung als Ausstellungsraum scheint schwierig, da sich die Lichtverhältnisse extrem verschlechtert haben. Die Luxusappartements sind dem Bau so nah gekommen, dass der früher wie verzaubert wirkende Innenraum unter Sternengewölbe lange Zeit verdunkelt bleiben wird.

Nördlich der Kirche sind weitere Neubauten erstanden. Manche loben deren ästhetische Zurückhaltung. Parzinger glaubt, dass man angesichts dieser Anspruchslosigkeit gut verstehen könne, warum viele für Rekonstruktionen sind. Berliner befürchten inzwischen, rund um das Schloss könne eine ähnliche Misere wie rund um den Hauptbahnhof Wirklichkeit werden.

© SZ vom 10.04.2017/smb/pak
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