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Berliner Philharmoniker in New York:Gewinnbringende und beglückende Angelegenheit

Kann man also sagen, dass das Gastspiel der Berliner Philharmoniker in New York ein Erfolg war? Es sieht ganz so aus.

Kann man sagen, dass es sich gelohnt hat? Auch das. Die Unternehmung hat etliche Millionen Dollar gekostet, schon wegen der Matthäuspassion, aber die New Yorker haben es sich leisten wollen, und die Philharmoniker sind eines der wenigen Orchester, denen man nicht nachsagt, dass sie mit Verlust von Amerika-Tourneen zurückkehren. Hat der Steuerzahler in Berlin was davon? Unbedingt. Weil es nicht schaden kann, wenn sich für die Amerikaner mit Berlin gelegentlich auch mal wieder Dinge wie Perfektion und Brillanz verbinden und nicht immer nur Fetischpartys und Wenigarbeitenmüssen (die Berlin-Berichterstattung der New Yorker Medien handelte im vorigen Jahr fast nur noch von den Toiletten im Technoclub Berghain.)

Und hat es das Musikleben von New York bereichert? Von den New Yorkern hört man: Ja. So unverschwiemelt und deswegen so klar und reich haben viele hier zum Beispiel die oft ein bisschen belächelten Schumann-Sinfonien noch nie gehört, vor allem nicht die vierte, die Rattle in ihrer frühen Fassung präsentierte. Man kann also ziemlich sicher sagen: Diese Reise war für alle Seiten eine gewinnbringende und beglückende Angelegenheit.

Nur der US Fish and Wildlife Service - der war nicht so begeisterungsfähig.

Problem Elfenbein

Bis vor Kurzem hätten vermutlich auch die meisten Philharmoniker angenommen, dass das eine Behörde ist, bei der man vielleicht seinen Angelschein beantragen muss, aber nicht die Erlaubnis, in den USA sein Instrument zu spielen. Nun ist es aber so, dass es seit Jahrzehnten ein internationales Artenschutzabkommen gibt, die "Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora", kurz: CITES.

Geschützt ist unter anderem das Elfenbein aus Elefantenstoßzähnen. Die Bögen von Streichinstrumenten haben traditionell aber oft daumennagelgroße Spitzen aus Elfenbein. Das war im internationalen Klassikgeschäft so lange kein Problem, bis der US Fish and Wildlife Service beschloss, radikal durchzugreifen, und jegliche Einfuhr von Elfenbein, auch in Daumennagelgröße, in diesem Winter erst total verbot und im Frühjahr ausnahmsweise für historische Musikinstrumente und Kunstgegenstände wieder erlaubte - wenn detaillierte Kauf- und Herkunftsbelege beigebracht werden.

Das ist in der Praxis aber oft gar nicht möglich. Da haben es Museen noch einfacher. Aus den Dresdner Kunstsammlungen, wo im Grünen Gewölbe einige Elefantenzähne lagern, die vor 400 Jahren zu Skulpturen, Schmuck, Trinkgefäßen verarbeiten wurden, heißt es, dass im Moment ohnehin keine Leihgaben in die USA anstehen, im Zweifel aber alles gut genug dokumentiert sei, um auch den Fish and Wildlife Service zufriedenzustellen. Bei alten Instrumenten und Bögen ist das anders. Zu viele Besitzer, zu viele ausgetauschte Teile.

Karbonbögen für 50 Dollar

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks war schon beim Gastspiel im Mai hier betroffen. Dort wollte und will man aber aus diplomatischen Gründen keine große Sache daraus machen. Das Gleiche hört man bei den Berliner Philharmonikern. Deren Intendant Martin Hoffmann sagt allerdings, dass der bürokratische Mehraufwand eine ganze Abteilung über Monate beschäftigt hat. Bei einigen Musikern auch erfolglos. Ein Bogen ist am Flughafen tatsächlich eingezogen worden. Eine Menge der Streicher hat ihre hochwertigeren Instrumente deshalb lieber daheim gelassen, und die Bögen, die manchmal teurer sein können als die Geige oder das Cello, erst recht. Zwanzig von ihnen hat dann in New York Christophe Landon einen von seinen Bögen geliehen. Die restlichen, sagt Landon, spielten einfach Karbonbögen für 50 Dollar.

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