Berlinale-Gewinner Jafar Panahi:Weit vor der gesamten etablierten Konkurrenz

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Pablo Larraín etwa hätte für "The Club", eine klug inszenierte Generalabrechnung mit der katholischen Kirche und ihrem verlogenen Umgang mit pädophilen Priestern, den Golden Bären mehr als verdient gehabt. Und auch dem guatemaltekischen Regisseur Jayro Bustamante wäre Gold zu gönnen gewesen - für "Ixcantul", eine bildgewaltige Einladung an sein Publikum, am ebenso fremden wie faszinierenden Leben der Indios in Guatemala teilzuhaben.

So aber mussten sich sowohl Larraín als auch Bustamente mit den nächstwichtigen Ehrungen zufrieden geben: der Chilene mit dem "Großen Preis der Jury", der Guatemalteker mit dem "Alfred-Bauer-Preis", der für Filme vergeben wird, die neue Perspektiven eröffnen.

Ein großer Erfolg ist das für die beiden aufstrebenden Enddreißiger aus Südamerika trotzdem, immerhin landeten sie weit vor der gesamten etablierten Konkurrenz dieser Berlinale. Terrence Malick, Cannes-Gewinner von 2011, ließen die Juroren mit seinem "Knight of Cups", der nebelhaften und arbiträren Identitätssuche eines offenbar erfolgreichen Filmemachers in Hollywood, ebenso in der Versenkung verschwinden wie den deutschen Groß-Regisseur Werner Herzog, der sich mit "Queen of Desert" auf seine alten Tage tatsächlich noch eine Kitsch-Schmonzette geleistet hat.

Andreas Dresen, bisher gefeiert für die großen Dramen des leisen Nachbarmenschen, steuerte zu dieser Berlinale seinen lauten DDR-Nachwendefilm "Als wir träumten" bei, und erschien der Jury damit ebenfalls zu Recht nicht auf der Höhe seines Schaffens.

Richtig lagen die Juroren auch bei ihrer Entscheidung, sowohl Tom Courtenay als auch Charlotte Rampling den Silbernen Bären für die beste männliche und weibliche Hauptrolle im selben Film zuzugestehen. Die zwei Routiniers trieben sich in dem Ehedrama "45 Years" des britischen Regisseurs Andrew Haigh gegenseitig zu schauspielerischen Höchstleistungen.

Warum ging Laura Bispuri leer aus?

Ein Gegenüber wie Rampling hätte auch die schlesische Schauspieler-Legende Janusz Gajos in dem Magersuchts-Drama "Body" gebrauchen können. Doch ihm stand nur die junge Laien-Darstellerin Justyna Suwala zur Seite, insofern hatte Gajos gegenüber dem etwa gleichaltrigen Courtenay (beide sind weit in den Siebzigern) mit einem Wettbewerbsnachteil zu kämpfen, den er trotz überzeugender Leistung nicht kompensieren konnte. Immerhin durfte sich Małgorzata Szumowska über den silbernen Regie-Bären für "Body" freuen.

Die Entscheidung der Jury war an diesen Punkten insgesamt begründet, doch es blieben auch Fragen. Zum Beispiel, warum die Italienerin Laura Bispuri für ihren faszinierenden Erstlingsfilm "Vergine giurata" (Sworn Vergin) über eine Albanerin, die erst im westlichen Umfeld zu ihrer Sexualität findet, völlig leer ausging? Wahrscheinlich ging es da vor allem um Geschmacksfragen; außerdem hat Bispuris Film einige wenige Plausibilitäts-Probleme.

Auch Sebastian Schipper war im Vorfeld hoch gehandelt worden. Mit "Victoria" hat er einen Film ohne jeden Schnitt zustande gebracht, der Emotionen an den Zuschauer heranträgt, wie das bisher selten der Fall war. Leider ist sein couragiertes Werk in den Anfangssequenzen etwas zu lang geraten. Der Silberne Bär für eine "herausragende künstlerische Leistung" ging dann aber völlig zu Recht an Schippers Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der sich die Auszeichnung mit Serhij Mychaltschuk und Jewgeni Priwin teilte, die für ihre Kameraführung in dem visuell ambitionierten Beitrag "Under Electric Clouds" aus Russland geehrt wurden.

Unter den ausgezeichneten Filmen war schließlich fast all das zu finden, was in diesem Jahr preiswürdig war. Nur Laura Bispuri hat beim nächsten Mal etwas gut.

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