Dieter Kosslick Berlinale-Direktor lädt AfD zu Film über Warschauer Ghetto ein

Er bezahle jedes Ticket. "Und wenn sie dann noch sagen, das ist ein Fliegenschiss, dann muss ich sagen, sollte vielleicht jemand anderes einschreiten als die Filmemacher."

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hat noch kurzfristig einen Film ins Programm genommen - und dazu AfD-Politiker eingeladen. Er habe sich entschieden, den Dokumentarfilm "Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto" von Roberta Grossman am 10. Februar zu zeigen, sagte Kosslick. "Alle AfD-Mitglieder, alle Abgeordneten im Bundestag der AfD, werden kostenlos ins Kino dürfen. Von mir persönlich eingeladen. Ich bezahle jedes Ticket."

Er hoffe, dass möglichst viele den Film sehen werden. "Und wenn sie dann noch sagen, das ist ein Fliegenschiss, dann muss ich sagen, sollte vielleicht jemand anderes einschreiten als die Filmemacher." Der Film schildert die Geschichte des 1941 gegründeten Untergrund-Archivs im Warschauer Ghetto. Es sollte dokumentieren, wie die Juden im Ghetto lebten und wie sie ermordet wurden. Die Berlinale zeigt vom 7. bis 17. Februar etwa 400 Filme.

Das Programm sei eigentlich schon geschlossen gewesen, sagte Kosslick. Dass der Film trotzdem noch auftaucht, begründete er auch mit dem AfD-Eklat vor wenigen Tagen im bayerischen Landtag bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus: Abgeordnete der rechtspopulistischen Partei verließen demonstrativ den Plenarsaal, nachdem die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, gesagt hatte, die AfD stehe "nicht nur für mich nicht auf dem Boden unserer demokratischen Verfassung".

Politik in Bayern Charlotte Knobloch wird nach AfD-Eklat bedroht

Bayerischer Landtag

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Im Minutentakt erreichten sie Mails und Anrufe, sagt die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde. Sie hatte im Bayerischen Landtag während einer Gedenkrede die AfD kritisiert, Abgeordnete verließen daraufhin den Plenarsaal.