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Museum der Moderne am Berliner Kulturforum:Verschwendung von Geld und Energie

Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum

Sieht schlicht aus, doch das täuscht: Haupteingang des künftigen Museums.

(Foto: Herzog & de Meuron)

Klimaschädlich und viel zu teuer: Bundesrechnungshof kritisiert Pläne für das Berliner Museum der Moderne.

Von Jörg Häntzschel

Extravagant, verschwenderisch, klimaschädlich. So lässt sich das Urteil des Bundesrechnungshofs (BRH) zum geplanten, sehr teuren Museum der Moderne am Berliner Kulturforum zusammenfassen. In einem Bericht, der der SZ vorliegt, kritisiert der BRH außerdem, es sei den Verantwortlichen im Kulturstaatsministerium und bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor allem darum gegangen, den Entwurf und die Nutzerwünsche umzusetzen, nicht jedoch darum, das Budget einzuhalten. Das Parlament und die Öffentlichkeit seien viel zu spät über die Kostenexplosion informiert worden.

Ursprünglich sollte der Bau, in dem vor allem Kunst des 20. Jahrhunderts aus drei Privatsammlungen gezeigt werden wird, nicht mehr als 200 Millionen Euro kosten. Diese Summe hatte der Bundestag 2014 bewilligt. Die sogenannte Vorentwurfsplanung für die "Scheune" der Architekten Herzog & de Meuron ergab aber bereits 2018 zu erwartende Baukosten von 306 Millionen Euro. Diese Zahl wurde nie kommuniziert. Erst im November 2019 gab Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu, dass die Kosten auf 364 Millionen steigen werden. Fachleute rechnen indes mit Gesamtkosten von bis zu 600 Millionen.

Es überrascht niemanden mehr, wenn öffentliche Bauprojekte teurer werden als geplant. Dass sich die Kosten wie hier schon vor dem Baubeginn fast verdoppeln, ist hingegen ungewöhnlich. Der BRH sieht dafür zwei Hauptgründe: Zum einen ist das Gebäude im Zuge der Planung immer größer geworden, während die Nutzungsfläche sogar schrumpfte. Der BRH schreibt das der Entwurfsidee des "offenen Hauses" zu, dessen "Boulevards" enorm viel Platz verbrauchen. Außerdem beanspruche die Technik, die diese Offenheit möglich mache, ihrerseits erheblichen Raum.

Diese Anlagen, die ständig laufen müssen, um das Klima stabil zu halten, verschlängen außerdem enorm viel Energie, so der zweite Vorwurf des BRH. Auch sonst habe man sich jeweils gegen die zukunftweisende und umweltfreundliche Bauvariante entschieden: Recyclingmaterialien? "Nicht weiter verfolgt". Photovoltaik auf dem Dach? Entsprach "nicht den gestalterischen Vorstellungen der Architekten". Mit dem 2019 verabschiedeten Klimaschutzgesetz habe sich der Bund zu einer Vorbildfunktion beim Bauen verpflichtet, der er hier nicht nachkomme.

Was der Bericht nicht erwähnt, ist, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ursprünglich ein erheblich kleineres Museum zu Kosten von 129 Millionen Euro an einem anderen Standort vorgeschlagen hatte. Die 200 Millionen, die der Bundestag 2014 bewilligte, waren für dieses günstigere Museum vorgesehen: 129 Millionen für den Bau, 71 Millionen für Kostensteigerungen. Nachdem der Bundestag die 200 Millionen freigegeben hatte, wurde dann entschieden, ein um etwa 60 Prozent größeres Haus an der Potsdamer Straße zu bauen, das statt 129 bereits damals mit 179 Millionen veranschlagt worden war.

© SZ/knb
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