Süddeutsche Zeitung

Benin Bronzen:Späte Heimkehr

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Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gibt alle Benin-Bronzen an Nigeria zurück. Andere Kunstobjekte dürfen als Leihgaben in Berlin bleiben.

Von Bernd Dörries

Viele Jahrzehnte lang haben sich deutsche und internationale Museen dagegen gesträubt, geraubte Kolonialkunst zurück zu geben, mittlerweile hat man den Eindruck, es könne manchen gar nicht schnell genug gehen. Von Washington bis Oxford verkünden Museen und Sammlungen fast im Wochenrhythmus die Restitution vor allem in afrikanische Länder. Die mit Abstand größte Rückgabe kommt jetzt aus Berlin: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verkündete am Donnerstag die Rückgabe von 512 Artefakten an Nigeria, die unter dem Oberbegriff Benin-Bronzen bekannt geworden sind: Kunstwerke aus Bronze, Holz, Eisen und vielen anderen Materialien, die aus dem Königreich Benin im heutigen Nigeria stammen.

"Wir können keine Bedingungen für die Rückgabe stellen."

Die britischen Kolonialisten hatten sie 1897 geraubt, in der Folge haben deutsche Sammler und Museen schöne Exemplare erworben. Bereits seit 1931 forderte Nigeria die Rückgabe, fast ein Jahrhundert weigerte sich Deutschland. Nun geht Berlin einen riesigen Schritt, alle einstigen Bedenken, was die künftige Präsentation in Nigeria angeht, wurden vom Wandel der Zeit überrollt: "Es hat sich in unserer Gesellschaft ein Prozess entwickelt", sagte Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, "wir können keine Bedingungen für die Rückgabe stellen."

Die koloniale Beutekunst, sie wirkt mittlerweile wie ein Fremdkörper in vielen Museen. Ein Drittel der Objekte darf die Stiftung für zehn Jahre behalten, sie sollen teilweise ab September im Humboldt-Forum ausgestellt werden, aber ganz anders als ursprünglich gedacht. Aus einer monumentalen Schau soll eine Ausstellung von 40 Artefakten werden, eingebettet in viel Erklärendes. Nigerianische Künstler und Intellektuelle sprechen über den Kontext der Bronzen, und den Kampf um ihre Rückgabe. Jetzt, sagt Parzinger, seien auch die anderen Museen gefordert.

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