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Benedict Cumberbatch im Interview:"Als wäre ich vom coolsten Zirkus der Welt engagiert worden"

Benedict Cumberbatch

Benedict Cumberbatch bei der Premiere seines neuen Kinofilms "Doctor Strange" in Berlin.

(Foto: dpa)

Großer Fang für Marvel: Charakterdarsteller Benedict Cumberbatch ist "Doctor Strange". Im Interview erzählt der Schauspieler, wie Shakespeare und Superhelden zusammenkommen.

Gehirnwäsche in Hollywood? Ein bisschen unheimlich ist es schon, wie viele Superstars mit grenzenloser Begeisterung von ihrer Arbeit fürs Superhelden-Filmstudio Marvel schwärmen, als habe es in der Filmindustrie nie einen besseren Arbeitgeber gegeben. Kein Studio in Hollywood ist so erfolgreich darin, gefeierte Charakterdarsteller für seine Blockbuster anzuwerben, wie die Filmfirma Marvel. Robert Downey Jr., Anthony Hopkins, Cate Blanchett und Robert Redford sind schon enthusiastische Comic-Fans geworden.

Der neueste Marvel-Fang: der britische Schauspieler Benedict Cumberbatch, der seit dieser Woche in der Comic-Adaption "Doctor Strange" zu sehen ist. Der 40-Jährige hat sich eine sehr erfolgreiche Karriere mit Figuren aufgebaut, die so genial wie verhaltensgestört sind, allen voran der wahnsinnige Sherlock Holmes in der BBC-Serie Sherlock. Für seine Darstellung des manischen Computererfinders Alan Turing in "The Imitation Game" wurde Cumberbatch im vergangenen Jahr für einen Oscar nominiert.

Cumberbatch ist voll im Marvel-Fieber

Auch sein Doctor Strange passt perfekt in diesen Charakterkosmos: Ein arroganter Neurochirurg, der durch einen Unfall in eine Sinnkrise gerät und mit tibetanischer Spiritualität zum Superhelden umerzogen wird. Beim Gespräch in Berlin ist auch Cumberbatch voll im Marvel-Fieber: "Es ist, als wäre ich vom coolsten Zirkus der Welt engagiert worden."

Als man ihm die Rolle anbot, hatte er von der Comic-Vorlage noch nie gehört, ließ sich aber bei einem Mittagessen mit dem Marvel-Chef Kevin Feige überreden. Allerdings gab es ein logistisches Problem, wie Cumberbatch beim SZ-Gespräch in Berlin erzählt: "Diese riesige Maschinerie funktioniert nach einem sehr strengen Rhythmus. Jeder Film hat schon Jahre bevor er überhaupt gedreht wird, einen festen Kinostarttermin. Was zur Folge hatte, dass die Dreharbeiten zu "Doctor Strange" genau in jene Zeit gefallen wären, in denen ich in London als Hamlet auf der Bühne stehen wollte."

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Cumberbatch liebt das Theater und hat ein besonderes Faible für Shakespeare: "Die 'Hamlet'-Inszenierung am Barbican Theatre war damals der einzige Termin in meinem Kalender, an dem ich auf keinen Fall rütteln wollte. Vorher hatte es sich nie ergeben und diese Rolle wollte ich unbedingt spielen, ein Lebenstraum. Mit Ende dreißig, Anfang vierzig ist man im perfekten Alter dafür, wie ich finde." Weil die Marvel-Leute ihn aber unbedingt als Doctor Strange haben wollten, wurde ausnahmsweise der gesamte Zeitplan ein paar Monate nach hinten geschoben, sodass er sowohl auf der Bühne als auch am Set stehen konnte.

Besonders verrückt fand Cumberbatch die Dreharbeiten in New York, weil dort so viele Superheldenfilme gedreht werden, dass die abgebrühten New Yorker sich von nichts mehr aus der Ruhe bringen lassen: "In einer Drehpause bin ich mit meiner Frau und ein paar Freunden in ein Café direkt neben dem Set gegangen. Ich war bereits für die nächste Szene geschminkt, voller Kunstblut und sah ziemlich übel aus. Dann betrete ich so das Café und die New Yorker reagieren innerhalb von Sekunden folgendermaßen: Aha, da ist Benedict Cumberbatch, er hat ein komisches Kostüm an und ist voller Blut, naja, jedenfalls... Wo waren wir stehen geblieben? Und schon unterhalten sie sich wieder über ihre Wochenendpläne."

Lesen Sie das komplette Interview mit SZ Plus:

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