Ben Affleck im Interview "Hollywood ist voller Idioten und Irrer"

SZ: Reeves scheiterte kläglich. Haben Sie damit auch Ihr eigenes Rollenbild zerstört?

Casey Affleck am 4. November in Hollywood.

(Foto: Foto: Reuters)

Affleck: Weil dieser George Reeves Superman im Fernsehen war?

SZ: Weil Sie einen Mann spielten, der nicht damit klarkam, immer der Kerl zu sein, den alle Kinder und alle Erwachsenen mögen.

Affleck: George Reeves mochte die Rolle nicht, weil seine wahren Ambitionen sich nicht erfüllten, und er darauf festgelegt blieb. Weil er nicht mehr aus der Sache herauskam, Superman zu sein.

SZ: Sie waren doch oft genug selbst eine Art Superman. In Blockbustern wie Armageddon, Der Anschlag, Daredevil. Hatten Sie nicht irgendwann genug davon?

Affleck: Das ist nicht der Punkt. Man hat ja nicht das Ziel: Jetzt mache ich nur noch Blockbuster. Es war eine andere Zeit in meinem Leben. Es musste vorwärtsgehen. Und natürlich war es schon eine Art von Karriere, aber was ich vor allem wollte, war: mich ausprobieren. Ich konnte sie machen, und ich habe es gemacht. Was nicht heißt, dass ich es heute auch noch tun würde. Das ist alles.

SZ: Dann kam das furchtbare Jahr 2003. Sie bekamen zwei Goldene Himbeeren auf einen Schlag! Als schlechtester Hauptdarsteller in gleich drei Filmen und mit Jennifer Lopez als schlechtestes Paar. Hätten Sie sich damals am liebsten versteckt?

Affleck: Wissen Sie, ich habe überhaupt nie darüber nachgedacht. Dieser Preis hat in Wirklichkeit nichts mit Schauspielerei zu tun. Es hat nur etwas mit den Medien zu tun. Ich war immer derselbe Schauspieler. Und ich war immer derselbe Mann.

SZ: Aber die Rollen waren andere. Der Gangster Gigli war auf seine Weise ein übler Bursche. Vielleicht können Sie einfach keinen bösen Menschen spielen?

Affleck: Der Film hat wirklich nicht funktioniert, absolut richtig. Aber Sie müssen das Ganze unter dem Gesichtspunkt betrachten, welche Bedeutung ein Film hat: Wie viele Filme kommen jedes Jahr heraus, die nicht gut sind? Sehr viele!

SZ: Wohl wahr.

Affleck: Diese Filme kommen in die Kinos und verschwinden nach einer Woche wieder, ohne dass irgendjemand noch ein Wort darüber verliert. "Gigli" aber wurde ein berühmter schlechter Film. Und das hatte sehr viel mit den Medien zu tun.

SZ: Warum? Wegen Ihrer Ex-Verlobten Jennifer Lopez und Ihnen?

Affleck: Wie auch immer. Abgesehen von der Tatsache, ob dieser Film nun schlecht oder gut war, waren die Bedingungen ideal für eine effektive Exekution durch die Presse. Ansonsten war es einfach ein Film, der sein Konzept verloren hat. Die Schauspieler waren nicht wirklich furchtbar. Die Kamera war okay. Wissen Sie, was ich glaube? "Gigli" war ein ganz normaler schlechter Film. Mehr nicht.

SZ: Der Ihrer Karriere nicht geschadet hat?

Affleck: Doch das hat er.

SZ: Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?

Affleck: Sicher.

SZ: Sie waren mal alkoholabhängig - allerdings in der Zeit, in der Sie sehr erfolgreich waren. Das ist doch seltsam, oder?

Affleck: Ja, das war 2001, damals bin ich in eine Entzugsklinik gegangen...Ich werde dazu Folgendes sagen: Wissen Sie... manchmal...Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll - sorry.

SZ: Ich musste nur an einen Satz von Robert Mitchum denken: In Hollywood trinken alle. Diejenigen, die keinen Erfolg haben, trinken viel. Aber diejenigen, die Erfolg haben, trinken noch mehr.

Affleck: Au, Mann!

SZ: Ich musste daran denken, dass Sie einmal zum "sexiest man alive" gewählt worden sind. Klingt toll, aber ich glaube, es ist nicht leicht, so etwas zu sein, oder?

Affleck: Es gibt tatsächlich etwas, was diesen Effekt auslösen kann. Wenn Sie in dieses Business reinkämen, würden Sie Leute sehen, die sich großartig amüsieren und berühmt sind, aber auch jede Menge rückständige Narren und solche tausendmal durchgespielten Dinge. Irgendwie ist es am Ende tatsächlich so: Hollywood ist voller Idioten und Irrer.

SZ: Und was bedeutete das für Sie?

Affleck: Es gibt kein Training, das dich darauf vorbereitet. Und das, obwohl es ein extremer Stress für die Psyche ist, diesen Wechsel durchzustehen. Hollywood ist wie eine Hochdruckkammer für die Psyche. Es ist, als ob du 100 Meter tief unter Wasser geschossen wirst, und zwar in 0,5Sekunden. Die verrücktesten Dinge passieren, und du brauchst eine Weile, um damit klarzukommen - und Hilfe, um das zu schaffen. Du brauchst ein gutes Elternhaus und Menschen um dich herum, die smart sind und dir gute Ratschläge geben. Hollywood ist wirklich voller Schlangen. Und es ist eine sehr knifflige Sache mitanzusehen, wie Leute dort verrückt werden.

Auf der nächsten Seite landet Ben Afflecks neuer Film auf dem Index.