BBC-Umfrage Das sind die besten Filme des 21. Jahrhunderts

Traum oder Wiklichkeit? Das ist in "Mulholland Drive" die entscheidende Frage - auch für Camilla Rhodes (Melissa George, rechts) und Rita (Laura Harring).

(Foto: Concorde Filmverleih)

Die BBC hat Filmkritiker auf der ganzen Welt gefragt: Welche sind die besten Filme, die seit dem Jahr 2000 gedreht wurden? Hier sind die Ergebnisse.

Der Thriller "Mulholland Drive" des amerikanischen Regisseurs David Lynch ist der beste Film des bisherigen 21. Jahrhunderts. Zumindest wenn man nach der Meinung fachkundiger Zuschauer geht. Die BBC hat knapp 200 Filmkritiker aus 36 Ländern befragt und ein Ranking der "100 Greatest Films of the 21st Century so far" erstellt.

Lynchs Werk aus dem Jahr 2001 liegt an der Spitze der Rangliste, gefolgt von "In the Mood for Love" von Wong Kar-wai (2000) und "There Will Be Blood" von Paul Thomas Anderson (2007). "Mulholland Drive" landet in Rankings immer wieder ganz oben. So führt Lynchs Film "Die besten Filme der Dekade" an, die taz.de zusammengestellt hat. Unter den 25 besten Arthouse-Filmen aller Zeiten, die der Guardian nennt, rangiert "Mulholland Drive" auf Position zwei. In den Top 250 der führenden Film-Datenbank Imdb.com taucht "Mulholland Drive" hingegen gar nicht auf.

Das Kino werde in Zeiten von Streamingdiensten und sinkender Einnahmen an den Kinokassen oft für tot erklärt, schreibt die BBC. Und selbst für viele Filmkritiker scheine es so, als lägen die goldenen Zeiten des Kinos lange in der Vergangenheit. Das Kulturressort des Senders sei deswegen der Frage nachgegangen, ob im 21. Jahrhundert noch Filme für die große Leinwand produziert würden, die es mit Klassikern wie Orson Welles' "Citizen Kane", Akira Kurosawas "Die sieben Samurai" oder Francis Ford Coppolas "Der Pate" aufnehmen könnten.

Insgesamt wurden 177 Filmkritiker gebeten, jeweils eine Liste mit den zehn besten Filmen zu erstellen. Diese 1770 Stimmen flossen in die endgültige Rangliste ein.

Die Experten nannten 599 Filme in 42 verschiedenen Sprachen. Die beliebtesten Jahrgänge in der Top-100 Liste sind 2012 und 2013. Die am häufigsten genannten Regisseure sind Wes Anderson, Apichatpong Weerasethakul, Christopher Nolan, Joel und Ethan Coen, Michael Haneke und Paul Thomas Anderson. Sie alle haben drei Filme in der Top-100-Liste.

Hier die besten 25 Filme des 21. Jahrhunderts bisher. Die gesamte Liste der BBC finden Sie hier.

1. "Mulholland Drive" (David Lynch, 2001)

Der Film spielt in Los Angeles und erzählt eine mysteriöse Geschichte um die zwei Frauen Rita/Camilla (Laura Harring) und Betty/Diane (Naomi Watts), die von Liebe, Eifersucht und Mord handelt. Wegen eines Handlungswechsels, in dem Figuren, Stimmungen und Schauplätze plötzlich ihre Bedeutung ändern, ist der Film vielfältig interpretierbar.

2. "Der Klang der Liebe" (Wong Kar-wai, 2000)

Hongkong, 1962: Die Geschichte von Chow und Li-zhen, die erfahren, dass ihre beiden Partner eine Affäre miteinander haben. Sie kommen sich nun ebenfalls näher, doch am Ende erkennen beide Paare, dass ihre außerehelichen Verhältnisse keine Zukunft haben. Wong Kar-wai erzählt sehr poetisch den klassischen Filmstoff vom Paar, das sich verfehlt, aus Stolz wie aus Angst, und damit auch die vage Chance, im Leben glücklich zu sein.

3. "There Will Be Blood" (Paul Thomas Anderson, 2007)

Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) hat sich im Südkalifornien des Jahres 1910 durch Fleiß, Entschlossenheit und skrupellose Methoden vom kleinen Schürfer zum erfolgreichen Ölunternehmer und Multimillionär hochgearbeitet, ist dabei aber vereinsamt. Eines dieser großen und verstörenden Erlebnisse, für die das Kino erfunden wurde.

4. "Chihiros Reise ins Zauberland" (Hayao Miyazaki, 2001)

In dem phantasievollen Animefilm Hayao Miyazakis erlebt die 10-jährige Chihiro in einer neuen Stadt allerlei geheimnisvolle Abenteuer - bis sie der Hexe Yubaba entkommt.

5. "Boyhood" (Richard Linklater, 2014)

Zwölf Jahre hat Richard Linklater an seinem Film "Boyhood" gearbeitet, jedes Jahr seine Schauspieler wieder zusammengetrommelt, um der Zeit auf die Spur zu kommen. Das Ergebnis ist der außerordentlich schöne Coming-of-age-Film über den Jungen Mason (Ellar Coltrane), der den Beiläufigkeiten des Alltags den Raum gibt, den sie verdienen.

6. "Vergiss mein nicht" (Michel Gondry, 2004)

Für das komplexe romantische Drama mit Jim Carrey und Kate Winslet in den Hauptrollen bekam Charlie Kaufman 2005 den Drehbuch-Oscar.

7. "The Tree of Life" (Terrence Malick, 2011)

Terrence Malick ist bekannt für seine rätselhaften Filme, die die großen Fragen des Lebens aufgreifen. Auch "The Tree of Life" ist ein Fluss von Bildern, die zurückführen an den Anfang der Welt. In Cannes gab es dafür 2011 die Goldene Palme.

8. "Yi Yi - Eine Eins und eine Zwei" (Edward Yang, 2000)

Der fast dreistündige Film "Yi Yi" über das Leben der taiwanesischen Mittelstandsfamilie Jian in Taipeh wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven dargestellt: aus der des Vaters N.J. (Wu Nien-jen), der des jüngsten Sohns Yang-Yang (Jonathan Chang) und der der Tochter Ting-Ting (Kelly Lee). Dadurch öffnet sich der Blick auf einen faszinierenden Mikrokosmos, in dem alle Beteiligten versuchen, mit den Katastrophen des Alltags zurechtzukommen.

9. "Nader und Simin - Eine Trennung" (Asghar Farhadi, 2011)

Präzise und facettenreich erzähltes Familiendrama, das sich im heutigen Teheran abspielt. Für seinen Ausnahmefilm über den lebensfeindlichen Ayatollah-Staat Iran bekam Asghar Farhadi 2011 bei der Berlinale den Goldenen Bären und 2012 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

10. "No Country for Old Men" (Joel and Ethan Coen, 2007)

Mit "No Country for Old Men" verfilmten die Coen-Brüder die Geschichte der Zivilisation, in die nun etwas Anderes, Unvertrautes, nicht mehr Fassbares einbrechen wird. Ihr Neo-Western, der 2008 mit vier Oscars ausgezeichnet wurde, ist bösartig, bildgewaltig und trotz der gezeigten Brutalität erschreckend witzig.

11. "Inside Llewyn Davis" (Joel and Ethan Coen, 2013)

12. "Zodiac - Die Spur des Killers" (David Fincher, 2007)

13. "Children of Men" (Alfonso Cuarón, 2006)

14. "The Act of Killing" (Joshua Oppenheimer, 2012)

15. "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" (Cristian Mungiu, 2007)

16. "Holy Motors" (Leos Carax, 2012)

17. "Pans Labyrinth" (Guillermo del Toro, 2008)

18. "Das weiße Band" (Michael Haneke, 2009)

19. "Mad Max: Fury Road" (George Miller, 2015)

20. "Synecdoche, New York" (Charlie Kaufman, 2008)

21. "Grand Budapest Hotel" (Wes Anderson, 2014)

22. "Lost in Translation" (Sofia Coppola, 2003)

23. "Caché" (Michael Haneke, 2005)

24. "The Master" (Paul Thomas Anderson, 2012)

25. "Memento" (Christopher Nolan, 2000)