Süddeutsche Zeitung

BBC, Live Aid und Bob Geldof:Fürchterlicher Schaden

Das Letzte, was die BBC gerade gebrauchen kann, sind begründete Zweifel an ihren vermeintlich so hohen journalistischen Standards. Trotzdem muss sie sich nun bei Bob Geldof entschuldigen.

Die British Broadcasting Corporation kämpft zurzeit an zwei Fronten: Einerseits sieht sie sich Dauerattacken ihrer kommerziellen Konkurrenz ausgesetzt, die ihr vorwirft, ein Monopol aufrechtzuerhalten, finanziert durch eine als Rundfunkgebühr getarnte Steuer. Andererseits hat die britische Koalitionsregierung dem Sender nun auferlegt, ebendiese Gebühren in den nächsten sechs Jahren nicht zu erhöhen, was einem realen Einkommensverlust von 16 Prozent entspricht.

Das Letzte, was die BBC gerade gebrauchen kann, sind begründete Zweifel an jenen vermeintlich so hohen journalistischen Standards, mit denen sie ihre Sonderstellung begründet.

Dieser Hintergrund macht das Statement, das die BBC nun auf dem TV-Kanal BBC One, im Radio und Internet abgab, besonders bemerkenswert: Sie entschuldigte sich bei dem Musiker Bob Geldof für den "irreführenden und unfairen Eindruck", der durch ihre Berichterstattung über seine Hilfsprojekte für Afrika entstanden sei.

Hintergrund der beispiellosen Entschuldigung war ein Beitrag des BBC World Service im März. Darin hatte ein früherer äthiopischer Rebellenführer behauptet, bis zu 90 Prozent der 100 Millionen Euro, die 1985 bei den von Geldof organisierten Live Aid-Konzerten gesammelt worden waren, seien von Rebellen zum Waffenkauf missbraucht worden. Nachdem sie lange auf der Korrektheit des Berichtes beharrt hatte, gestand die BBC nun ein, dass die Vorwürfe "nicht belegbar" seien.

Bob Geldof reagierte auf die Entschuldigung für seine Verhältnisse milde. Die Sendung stelle eine "ungewöhnliche Verletzung" der BBC-Standards dar; der Rückzieher werde nun hoffentlich ansatzweise den "fürchterlichen Schaden" reparieren, der entstanden sei.

Mit dem Schaden, den ihr Ruf durch die Affäre genommen hat, wird die BBC selbst noch zu kämpfen haben.

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Quelle:
SZ vom 05.11.2010/rus
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