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Bayreuther Festspiele:"Ring"-Regisseur Castorf lässt sich ausbuhen - und pöbelt zurück

Bayreuth Festspiele Frank Castorf Götterdämmerung

Allison Oakes (Gutrune), Attila Jun (Hagen), Alejandro Marco-Buhrmester (Gunther) in einer Szene der "Götterdämmerung": Castorfs Inszenierung erregte Unmut in Bayreuth.

(Foto: dpa)

Kalkulierte Provokation: Regisseur Frank Castorf erntet nach der Premiere der "Götterdämmerung" bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth vor allem Buhrufe - und scheint den Unmut des Publikums zu genießen. Einen anderen Künstler allerdings feiern die Zuschauer.

Frank Castorf, der große Provokateur, wird auch in Bayreuth seiner Rolle gerecht: Der Regisseur des "Ring des Nibelungen" ist nach der Premiere der "Götterdämmerung" in Bayreuth vom Publikum minutenlang ausgebuht und ausgepfiffen worden. Der Berliner reagierte seinerseits mit Provokation des Publikums. Er zeigte immer wieder auf die Zuschauer, forderte sie mit Gesten auf, lauter zu buhen, tippte sich an die Stirn.

Etliche Minuten harrten Castorf und sein Team geradezu stoisch im wütenden Proteststurm aus, der nur von einigen wenigen "Bravo"-Rufen unterbrochen wurde. Der Regisseur deutete immer wieder auf seine Uhr: Er habe Zeit. Erst danach trat Castorf von der Bühne ab.

Vorher hatte er mit der "Götterdämmerung" das konsequente Ende eines inkonsequenten "Rings" auf die Bühne gebracht - mit vielen Effekten, Seitenhieben und Bezügen zum Kalten Krieg und zur Teilung Berlins. Das stärkste Bild der Inszenierung - der Moment, als die Laken vom verhüllten Reichstag fallen und dahinter eine nahezu baugleiche New Yorker Börse zum Vorschein kommt - dürfte nach dem kleinen Skandal nach der Aufführung leider kaum noch ins Gewicht fallen.

Schon nach dem ersten Teil von Richard Wagners "Ring", dem "Rheingold", hatte es einige Buhrufe gegeben, die "Walküre" kam besser an, nach dem "Siegfried"" am Montag gab es schon deutliche Unmutsbekundungen.

Doch Castorf war nicht der Einzige, dem das Publikum nach dem letzten Teil von Wagners Tetralogie sein Missfallen kundtat. Auch Siegfried-Darsteller Lance Ryan und Attila Jun als Hagen mussten einige Buhs einstecken. Gefeiert wurden dagegen Catherine Foster als Brünnhilde und allen voran Dirigent Kirill Petrenko, erneut der Star des Abends.

Dass Petrenko in Bayreuth gut beim Publikum ankommt, dürfte ihm auch den Beginn seiner nächsten Tätigkeit versüßen: Ab dem Herbst tritt Petrenko die Nachfolge von Kent Nagano an und wird Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München.

© Süddeutsche.de/dpa/kjan
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