Bayreuther Festspiele In seiner Hand

Christian Thielemann wird Musikdirektor in Bayreuth. Er kann sich Sängerwünsche erfüllen und wohl auch die Dirigenten bestimmen.

Von Reinhard J. Brembeck

Der Dirigent Christian Thielemann ist seit dem diesjährigen Bayreuther Probenbeginn nicht mehr nur musikalischer Berater der Festspiele, sondern auch ihr Musikdirektor. So beschlossen es unlängst die Gesellschafter. Das ließ Peter Emmerich, Pressechef der Festspiele, jetzt en passant verlauten, Details dazu sollen erst bei der Pressekonferenz anlässlich der diesjährigen Festspielpremiere mitgeteilt werden. Das wird die Liebestragödie "Tristan und Isolde" sein, dirigiert vom frisch ernannten Musikdirektor Thielemann. Festspielchefin Katharina Wagner inszeniert.

Die Berufung Thielemanns geht Hand in Hand mit dem Abschied der zweiten Leiterin der Festspiele, Eva Wagner-Pasquier, nach den Festspielen 2015. Wagner-Pasquier war bisher für die musikalische Seite, vor allem für Sängerbesetzungen zuständig. Thielemann hat angelegentlich bessere Sänger für Bayreuth gewünscht, er wird jetzt den eigenen Wunsch verwirklichen dürfen. Auch wird von seiner Zustimmung nun vermutlich endgültig abhängen, wer in Bayreuth dirigieren darf und ob er seine größten Konkurrenten im Wagner-Fach zum Zuge kommen lässt - sofern die überhaupt wollen. Denn Thielemann ist zwar einer der besten in diesem Fach, seine "Meistersinger" sind sogar konkurrenzlos, aber da ist noch eine Riege anderer Meister, allen voran Kirill Petrenko, der gerade mit dem "Ring" nach nur drei Jahren seinen Abschied von Bayreuth nimmt, auch Franz Welser-Möst.

Eins aber scheint mit dieser Berufung jetzt schon sicher zu sein: Der Dirigent des nächsten Bayreuther "Ring des Nibelungen", er kommt 2020 heraus, wird mit größter Wahrscheinlichkeit der gleiche sein, der ihn schon 2006 an der Seite von Regisseur Tankred Dorst geleitet hat: Christian Thielemann.