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Bayreuther Festspiele:"Ein Höchstmaß an künstlerischer Leistung"

Katharina Wagner

Katharina Wagner, die Leiterin der Bayreuther Festspiele, hat das Festival in den letzten Jahren modernisiert.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Die Richard-Wagner-Festspiele haben im neuen Jahr mehrere Baustellen. Und der Bund will mehr mitmischen.

Von Reinhard J. Brembeck

Die Bayreuther Festspiele stehen seit ihrer Gründung 1876 durch Richard Wagner für eine Mischung aus Tratsch, Skandälchen, Hochkultur und immer wieder auch fragwürdiger Verstrickung in Politik. Bis heute wird das Festival von einem Nachkommen des Komponisten geleitet, während es von Bund, Bayern, Wagner-Freunden und Stadt getragen und mitfinanziert wird. Derzeit ist die Regisseurin Katharina Wagner Chefin in Bayreuth. Das ablaufende Jahr brachte viel Unruhe: die seuchenbedingte Absage des Festivals, der damit verbundene Einnahmeausfall, die lange Krankheit der Chefin, Verwerfungen im Management, die anstehende Sanierung des Festspielhauses, die auf 178 Millionen Euro veranschlagt wird. Im kommenden Jahr soll zwar wieder ein Festival stattfinden, wenn auch in einer reduzierten Form. Die Karten dafür gibt es nicht wie üblich jetzt schon, sondern erst im Mai, wenn klar sein wird, wie viele Zuschauer aufgrund der dann gültigen Hygieneregeln kommen dürfen.

Wird Christian Thielemanns Vertrag verlängert?

Mit Jahresende läuft auch der seit 2015 gültige Vertrag mit Christian Thielemann als Musikdirektor aus. Thielemann ist seit seinem sensationellen Bayreuth-Debüt vor 20 Jahren der zentrale Dirigent des Festivals. Doch der Mann gilt als schwierig, ist aber bei vielen als der geniale Statthalter Wagners auf Erden beliebt, weshalb ihn die Festspiele auch behalten wollen, aber offenbar nicht als allmächtigen Musikdirektor. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen.

In diese schwierige Situation hat die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) der Deutschen Presse-Agentur ein Interview gegeben, in dem sie sich zu Katharina Wagner bekennt. Grütters will aber in Bayreuth "vernünftige und wirksame Strukturen", schließlich wird der Jahresetat von zuletzt knapp 27 Millionen Euro zu 28 Prozent durch öffentliche Geldgeber finanziert, zur Sanierung gibt der Bund 85 Millionen. Grütters fragt sich: "Wird die Bringschuld eines national und international bedeutsamen Opernfestivals eingelöst? Werden die Erwartungen des Publikums angemessen berücksichtigt? Sind die Strukturen geeignet, damit ein Höchstmaß an künstlerischer Leistung erbracht werden kann? Da hat es in der Vergangenheit manchmal doch Reibungsverluste gegeben." Zwar habe Katharina Wagner da schon viel angeschoben mit Kinderoper, Diskursen, Live-Übertragungen, Aufarbeitung der nicht immer rühmlichen Familiengeschichte. Aber es darf für Grütters ruhig mehr sein, vielleicht müsse man die geltenden Satzungen überdenken. Auffällig, dass von Thielemann nicht die Rede ist. Vielleicht gehört er für Grütters schon längst zum Bayreuther Inventar.

© SZ/jsl
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