Bayernpartie Eine Kur zum Nachdenken

Gegensätze überwinden: Auch Missverständnisse zwischen verschiedenen Religionen kommen bei "Philosophie am Pass" aufs Tapet.

(Foto: Johannes Simon)

Bei der Tagung "Philosophie am Pass" in Bad Hindelang steht das Thema Dialog im Zentrum

Von Lena Abushi

Einer, der in Büchern versinkt, zerstreut in die Ferne blickt und über komplizierte Themen nachdenkt: So lautet das geistesschlichte Klischee über Philosophen. Für Lieschen Müller hat Philosophie allerdings wenig mit dem eigenen Leben zu tun. Rainer Jehl kennt natürlich dieses Klischee. Er ist der Leiter des Projekts "Philosophie am Pass", das vom 29. April bis 3. Mai in Bad Hindelang stattfindet. Und Jehl hat festgestellt, dass viele moderne Philosophen bemüht sind, über schwierige Themen so zu schreiben, dass sie ein breites Publikum ansprechen und verständlich rüberkommen: "Die Philosophie sucht nach einer neuen Relevanz für das Leben," sagt Rainer Jehl. Ein Leben, das vor allem durch den Dialog bestimmt ist

Die Grundformen des Dialogs sind das Hauptthema der 5. Philosophischen Tage. Neun Vorträgebefassen sich mit den Voraussetzungen für ein besseres gegenseitiges Verständnis von Menschen aus verschiedenen Kulturen. Als Jehl das Programm mit Stefanie Fuchs, der Mitinitiatorin von "Philosophie am Pass", plante, sei ihm noch gar nicht klar gewesen, wie brisant das Thema ist: "Die aktuelle Situation mit den vielen Flüchtlingen in Deutschland fordert dringend, dass wir die Kommunikation zwischen Einheimischen und Emigranten verbessern."

Zunächst werden in Seminaren historische Grundlagen vermittelt: Rainer Jehl selbst führt in die Werke von Philosophen ein, die sich mit dem Thema "Dialog" beschäftigten - von Sokrates über Abaelard bis hin zur Aufklärung. Der Soziologe Stefan Müller-Doohm von der Uni Oldenburg stellt das Diskursprinzip von Jürgen Habermas vor, und Kai Marchal vom "International Center for Chinese Philosophy" der Universität Soochow spricht am letzten Tag von "Philosophie am Pass" über die Besonderheiten eines Dialogs mit Chinesen.

Nachmittags wird Referiertes in Seminaren vertieft. Peter Graf, Begründer des Instituts für Islamische Theologie der Universität Osnabrück, spricht über die Anthropologie Martin Bubers ("Der Mensch wird am Du zum Ich"). Über die Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen in internationalen Unternehmen spricht Katharina Beyling-Vaubel von der BASF, und Richard Heinzmann, Vorsitzendes Stiftungsrates der Eugen-Biser-Stiftung, hält ein Seminar über "Vernunft und Menschenrechte als Basis des interreligiösen Dialogs".

Heinzmann bekam vor kurzem den "Meckatzer-Philosophie-Preis" für sein "Lexikon des Dialogs, Grundbegriffe aus Christentum und Islam." In dem Buch, in Deutsch und Türkisch geschrieben, werden religiöse Begriffe aus den beiden Weltreligionen parallel von Wissenschaftlern aus Deutschland und der Türkei erklärt. "In Deutschland leben Muslime und Christen miteinander. Das Lexikon ist ein enormer Beitrag für ein besseres Miteinander zwischen Angehörigen beider Religionen", sagt Jehl. Abends sind kürzere Vorträge im Angebot; dabei geht es auch um das Gespräch als Mittel der Psychotherapie, die Völkerverständigung in einer sich ständig verändernden Welt und über Missverständnisse zwischen Buddhisten und Christen.

Mit Bad Hindelang hat Projektleiter Jehl einen abgelegenen Ort gewählt. Bei einem Museumsbesuch in Bremen hatte Jehl Otto Modersohns Landschaftzeichnungen von Bad Hindelang gesehen. Weil er sie so schön fand, schaute er sich den Kurort an, der auch für eine nachhaltige Lebensweise steht. Und war begeistert.

Philosophie am Pass, 29. April bis 3. Mai 2015, Kurhaus Bad Hindelang, Unterer Buigenweg 2 und Katholisches Pfarrheim, Marktstraße 10 in 87541 Bad Hindelang, 08324/892420, www.philosophie-am-pass.de