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Die Macht des Intendanten:Ich bin das Theater

Eine strengere Hierarchie als am Theater findet sich nirgendwo in der Gesellschaft: Warum ein Opernintendant ein absoluter Herrscher sein muss.

Der einzige Bereich, in dem sich die Demokratie noch absolute Herrscher leistet, ist das Theater. Dieser Herrscher heißt Intendant, und auch wenn es in Rundfunkanstalten und Konzerthäusern, bei Orchestern und Festivals ebenfalls Intendanten gibt, so ist deren Machtfülle doch eingeschränkter als der des Theater- und insbesondere der des Opernintendanten. Der kann nämlich das ganze Jahr über machen, was er will. Weil ihm inhaltlich völlig freie Hand gelassen wird.

Hat sich in München durchgesetzt: der Intendant Nikolaus Bachler.

Das muss man wissen, um zu verstehen, warum sich im Münchner Machtkampf zwischen Staatsopernintendant Nikolaus Bachler und Generalmusikdirektor Kant Nagano am Ende der Manager durchgesetzt hat und nicht der Musiker. Was wenig mit Kunst, aber viel mit Macht zu tun hat.

Zutiefst wesensfremd

Denn die öffentliche Hand will, kann und soll sich inhaltlich nicht in die Kunst einmischen, die ihr zutiefst wesensfremd ist und von der sie in der Regel auch nichts versteht. Oft wird deshalb Wahl oder Nichtverlängerung eines Dirigenten oder Intendanten als Anmaßung ahnungsloser Politiker empfunden. Denn Theater agiert im Spannungsfeld zwischen Repräsentation und Revolution. Wobei Politiker eher ersterer Position zuneigen. Weshalb dann auch allen Intendanten immer etwas Staatstragendes innewohnt, selbst wenn sie so lautstark auftreten wie ein Peymann.

Eine strengere Hierarchie als am Theater findet sich nirgendwo in der Gesellschaft, und es sollte zu denken geben, dass die darstellenden Künste von diesem Ideal nicht abrücken können. Dirigenten, Regisseure, Intendanten scheinen in ihrer absoluten Machtfülle unverzichtbar, um Kunst machen zu können.

Selbst wenn partnerschaftliches Kunstwollen als Ideal behauptet wird, gibt es im Zweifelsfall immer den einen Kunstwillen, dem zuletzt alle zu folgen haben. Obwohl John Cage gegen ein solches Denken rebelliert hat und manche Streichquartette das Gegenteil vorleben, hat Basisdemokratie am Theater und ganz generell in der Kunst einen ausnehmend schlechten Ruf. Was zeigt, wie ähnlich sich die Gesellschaft und ihre Kunst sind, und begründet, warum ein Theaterintendant mit solch einer ungeheuren Machtfülle ausgestattet wird.

An großen Opernhäusern, an denen genug Geld vorhanden ist, sind dem Intendanten selbst durch äußere Zwänge so gut wie keine Grenzen gesetzt. Er kann alle Sänger einladen, die er schätzt, er kann alle Stücke machen, die er für richtig hält, er kann sich Regisseure und Bühnenbildner ganz nach seinem Geschmack aussuchen. Doch nicht immer reicht dafür das Geld. Selbst an einem wirtschaftlich so gut aufgestellten Haus wie der Bayerischen Staatsoper konnte in der Schlussphase der Ära Peter Jonas ein "Boris Godunow" nicht realisiert werden, weil der allzu viele Sänger erfordert, und dafür war damals kein Geld da. Da offenbart sich die Zukunft.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wo die Grenzen sind.

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