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Bavarian Squad:Gipfeltreffen der Hip-Hopper

Bayerische Rapper feiern im Clap Club eine Abschiedssause

Schwarzer Moltonstoff verdeckt die Kulisse der TV-Kabarett-Serie "Die Anstalt", die zusammen mit ihrem Vorgänger im Arristudio seit 2007 fast monatlich vor Publikum produziert wird. Denn heute findet hier kein Kabarett statt, sondern ein Gipfeltreffen der bayerischen Hip- Hop-Szene. Auch wenn der Comedian Harry G mal nach seinem eigenen witzig gemeinten Rap-Versuch der bayerischen Szene unfreiwillige Komik unterstellte: "Es gibt hier eigentlich kein echtes Problem. Deshalb klingt bayerischer Hip-Hop immer wie eine Persiflage, auch wenn er ernst gemeint ist", erläuterte er letztes Jahr den SZ-Lesern das angebliche Dilemma bayerischer Rapper.

Doch die wissen zur Not auch über die Probleme anderer zu rappen. Oder über ein verbesserungswürdiges Schulsystem, das auch in Bayern ein echtes Problem ist. Und die Kritik gegen ein Marihuana-Verbot im bierseligen Bayern muss man nicht wie Harry G als "es geht immer nur ums Trinken und Ausgehen" abtun. "Was? Du säufst kein Bier? Und das als echter Bayer?" heißt es da in "Aromatherapie" von Bbou und Maniac. Nur eben bairisch ausgesprochen. Denn die Identitätsfrage wird auch mit dem eigenen Sprachgebrauch der Rapper diskutiert, die erstmalig auch live gemeinsam als Bavarian Squad rappen: Roger Rekless, Bbou, Liquid & Maniac sowie Monaco F und Gräm Grämsn, die an diesem Abend auch zu zweit ihren Doppel-D-Hit "99" bringen. Gestützt von ihrem DJ Spliff, der zusammen mit drei weiteren Djs, Rufflow, Sticky und Al Rock, die Beats des "bayerischen WU Tang Clan" stemmt, wie es im Song "Bavarian Squad" von Liquid & Maniac heißt. Zusammen mit den anderen Gast-Rappern gelang ihnen damit letztes Jahr ein Szenehit.

Nun wagen die Protagonisten endlich auch eine über zweistündige Live-Umsetzung, die im Clap Club im Arri-Studio gleich zwei Tage ausverkauft war. Kurzweilig gerät die Show. Und ob der vielen Hits der einzelnen Musiker, die hier zusammen aufbereitet werden, so rasant wie die Silben der Texte, die bisweilen schneller rezitiert werden als ein Gitarrist seine Saiten zupfen könnte.

Insgesamt ist ein solches Gipfeltreffen also die ideale Einstimmung auf eine heiße Clubnacht des Clap Clubs, der seit zwei Jahren die Produktions-freie Zeit im Arri-Studio nutzte. Doch dieser Clap Club war hier der letzte. Denn trotz des Bedarfs eines solchen Studios, wie auch die stets ausverkauften Kabarett-Sendungen, die hier produziert wurden, belegen, soll dort ein noch größeres Kino entstehen, mit dem man den oft diskutierten sinkenden Kinobesucherzahlen entgegen wirken mag. Nach dem Motto: Der Palast soll die Zuschauermengen locken, die der Blockhütte fernblieben. Was übrigens auch gelingen kann. Doch wo darf jetzt der Clap Club seinen Club aufklappen?

© SZ vom 20.11.2017
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