Batman und Superman Heiliges Kryptonit!

Die Ankündigung eines gemeinsamen Films der Superhelden Batman und Superman sorgt für Aufregung auf der Comic-Con in San Diego. Er könnte der Auftakt zu einer neuen Film-Serie sein. Die Frage lautet nun: Wer spielt Batman?

Von Jürgen Schmieder, San Diego

Es gibt eine Comic-Miniserie von Frank Miller aus dem Jahr 1986. Sie heißt "The Dark Knight Returns" und portraitiert einen in die Jahre gekommenen Bruce Wayne, der sich noch einmal ins Batman-Kostüm zwängen muss, um Gotham City zu retten. Sein Gegenspieler: Superman, der zum einem Lakaien der US-Regierung geworden ist. Es kommt zu einem spektakulären Kampf, am Ende sagt Batman: "Ich will, dass du dich daran erinnerst, Clark, in all den kommenden Jahren, in deinen privatesten Momenten. Ich will, dass du dich an meine Hand an deinem Hals erinnerst - an den einen Mann, der dich besiegt hat."

Der Schauspieler Harry Lennix zitiert am Samstagabend diese Worte, dann wird es dunkel in der Halle H auf der Comic-Con in San Diego, es gibt ein paar dumpfe Bassklänge. Auf der riesigen Leinwand ist ein Superman-Logo zu sehen, zwei Sekunden lang, dann erscheint darüber gelegt das Markenzeichen von Batman - und durch zwei der bekanntesten Symbole der Popkultur ist klar: Der Mann aus Stahl trifft den dunklen Ritter. Zum ersten Mal auf der großen Leinwand. Heiliges Kryptonit!

Wie in jedem Jahr gibt es auf der Comic-Con zahlreiche Ankündigungen der Entertainment-Industrie, die einstige Comicbuchmesse hat sich seit 1970 zur wohl wichtigsten Veranstaltung für Popkultur entwickelt. Die Darsteller der Serien "Dexter", "Breaking Bad" und "How I Met Your Mother" sind gekommen, um die jeweils letzten Staffeln zu präsentieren. Vor allem das Video von "How I Met Your Mother", in dem sich die Kinder des Protagonisten über die nun acht Jahre dauernden Erzählungen ihres Vaters beschweren, sorgt für Begeisterung.

Aber freilich rückt nach der Veranstaltung von Warner Bros. alles andere in den Hintergrund, selbst Hugh Jackman mit "The Wolverine", Tom Cruise mit "Edge of Tomorrow" und David Duchovny mit der Aussicht auf noch einen Akte-X-Film. Warum auch nicht? Die Fans anderer Action-Charaktere mögen den kommenden Satz verzeihen - aber die beiden größten Superhelden in der Geschichte werden Mitte 2015 in einem Kinofilm aufeinandertreffen.

"Das ist unglaublich", sagt Claudia Gomez. Sie ist aus Mexiko City auf die Comic-Con gekommen, sie war eine von etwa 6500 Besucherinnen, die bei der Ankündigung live dabei waren. Jetzt sitzt sie außerhalb von Halle H: Sie trägt ein Batman-T-Shirt, ihre Nichte Ana hat ein Superman-Hemd an. Dann beginnen beide zu weinen. Vor Glück.

Zwei Superhelden können auch einen Superflop hinlegen

Schon seit Monaten wird in Hollywood über ein mögliches Aufeinandertreffen von Batman und Superman spekuliert, es werden auch die Möglichkeiten und Risiken eines derartigen Projekts diskutiert. Der aktuelle Superman-Film "Man of Steel" (seit Mitte Juni in den Kinos) spielte bislang weltweit 480 Millionen Euro ein, der dritte Teil der Dark-Knight-Trilogie schaffte weltweit mehr als 770 Millionen Euro. Ein gemeinsamer Auftritt der Helden des Verlages DC Comics könnte laut Experten mehr als eine Milliarde Euro einspielen und damit selbst "The Avengers" übertreffen, die Superhelden-Gemeinschaft des konkurrierenden Verlages Marvel Comics um Thor, Iron Man und Captain America. Dieser Film spielte im vergangenen Jahr mehr als 1,15 Milliarden Euro ein.

Das könnte freilich der Masterplan von Warner Bros. und DC Comics sein: Offiziell will es auf der Comic-Con niemand bestätigen, doch zahlreiche Experten sind sich sicher, dass der Batman/Superman-Film der Auftakt zu einer neuen Filmserie ist, in der viele Charaktere der sogenannten Justice League vertreten sein werden - also Flash, Wonder Woman, Aquaman und Green Lantern.

"Ich kann gar nicht erwarten, das Universum von DC Comics um ein Kapitel zu erweitern", sagt Zack Snyder. Er ist der Regisseur von "Man of Steel" und schreibt gerade mit David Goyer am Drehbuch für das Batman/Superman-Abenteuer. Snyder wird Regie führen, Dark-Knight-Regisseur Christopher Nolan wird als Produzent fungieren. Superman wird wie in "Men of Steel" von Henry Cavill verkörpert werden. "Ganz ehrlich", sagt Snyder, "es ist mehr als mythologisch, dass sich Superman und Batman treffen. Die beiden sind die größten Superhelden der Welt".

Darin jedoch liegt das finanzielle Risiko, zwei Superhelden können auch einen Superflop hinlegen: 1997 gab es bereits einen Film, der einige Helden der Gerechtigkeitsliga vereinte, nicht aber Batman und Superman - es war ebenso ein kommerzieller Misserfolg wie "Green Lantern" im Jahr 2011. Es braucht einen Film, der beiden Charakteren Raum zur Entwicklung lässt, eingefleischte Fans zufrieden stellt und dennoch ein Massenpublikum begeistert.

Wer wird der neue Batman? Die Liste der möglichen Darsteller ist lang

Beim Aufeinandertreffen dürfte einer der Helden zumindest für einige Zeit der Bösewicht sein - wie Superman im Comic "The Dark Knight Returns". Snyder stellt klar: "Der Film wird keine Adaption des Comics von Frank Miller werden." Er schloss aber nicht aus, dass Batman und Superman Gegenspieler sein könnten: "Die Miller-Interpretation dient als Inspiration."

Co-Autor David Goyer war an den Drehbüchern der jüngsten Batman-Trilogie und am Superman-Script beteiligt und verriet kürzlich, dass Bruce Wayne im Universum von Superman existieren würde und nicht umgekehrt. Es brauche also einen neuen Batman. Das passt zur Ankündigung des Schauspielers Christian Bale, nach drei Filmen nicht mehr für die Rolle des dunklen Ritters zur Verfügung zu stehen.

Der Frage lautet nun: Wer wird der neue Batman? Auf der Comic-Con wird ebenso diskutiert wie in Hollywood. Die Liste der möglichen Darsteller ist lang: Jon Hamm, Josh Holloway, Jake Gyllenhall, Ryan Gosling, Bradley Cooper und Gerard Butler gehören zu den meist genannten Namen.

Die Verantwortlichen haben noch Zeit für die Suche, die Dreharbeiten sollen erst im kommenden Jahr beginnen. Es könnte also durchaus sein, dass die Superhelden-Fans im kommenden Jahr wieder zur Comic-Con nach San Diego pilgern - und dann in der Halle H erneut die berühmten Worte aus den Comics von Frank Miller zu hören bekommen. Nur dann nicht aus dem Mund von Harry Lennix, sondern zum ersten Mal gesprochen vom neuen Batman-Darsteller.