"Barbie - Prinzessin im Rockstarcamp" im Kino:Dieser Film ist gut für den Feminismus

Lesezeit: 3 min

Barbie Prinzessin im Rockstarcamp

Immer nur winken und Krönchen tragen? Prinzessin Courtney will mehr vom Leben.

(Foto: Universal Pictures)

Normalerweise gibt es Barbie-Filme nur in der Spielwarenabteilung. Jetzt kommt einer in die Kinos - und ist viel weniger schlimm als erwartet.

Von Kathleen Hildebrand

Dass ein Film mühelos eine Frauenquote von 80 Prozent erfüllt und trotzdem nicht unter Feminismus-Verdacht steht - das kommt in keinem Genre so häufig vor wie im Kinderfilm. Allein in diesem Jahr gab es da schon: ein ganzes Feendorf voll weiblicher Flügelwesen, die zusammen ein großes Wuschelmonster und ihr Dorf retten ("Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest"). Eine kampfeslustige Elfendame, die der Liebe abschwört und ihre Schwester rettet ("Strange Magic"). Und jetzt bewahrt Barbie - beziehungsweise ein gutes Dutzend unterschiedlicher Manifestationen von Barbie - zwei Feriencamps vor dem Ruin.

Männer- und Frauenklischees spielen in diesen Animationsfilmen keine Rolle, so lange man sie sehr oberflächlich betrachtet. Tinkerbell und ihre Freundinnen entsprechen in ihrer langhaarigen, großäugigen Pin-up-Haftigkeit hundertprozentig dem gängigen Schönheitsideal. Ihr grummeliges Wuschelmonster mit dem guten Herzen erfüllt die Rolle des Mannes, den es zu verstehen und zu erobern gilt. Und die Elfenkriegerin aus "Strange Magic" lernt nur deshalb den Umgang mit dem Elfenschwert, weil ihr schmieriger Elfenprinz sie mit einer anderen betrogen hat. Am Ende verliebt sie sich in den hässlichen Käferkönig, denn der hat, klar, ein weiches Herz unter der harten Schale.

Für männliche Figuren gilt: Hässlich ist gut, hübsch ist gefährlich

Überhaupt scheinen die meisten Kinderfilme von hässlichen Männern gemacht zu werden, so oft wie sie kleinen Mädchen einzubläuen versuchen, dass gerade bei Männern Äußerlichkeiten überhaupt gar nichts aussagen und vielmehr die Unattraktiven gut und die Schönen grundsätzlich fies und verdorben sind.

Was echt niemand erwartet hätte ist, dass ausgerechnet ein Film aus dem Barbie-Imperium diesen Fehler nicht macht. Weil die Welt aber nun mal merkwürdig ist, ist es genau so gekommen.

Dabei erscheint am Anfang alles so glitzernd, so pink und irre wie erwartet: Wegen einer Verwechslung steigt die wohlerzogene Prinzessin mit dem unwahrscheinlichen Namen "Courtney" nicht in die schneeweiße Luxusyacht, die sie zum königlichen Feriencamp bringen soll. Sondern in die dunkle Luxusyacht, die zum Rockstarcamp führt.

Realismus darf man nicht erwarten

Dass Nachwuchs-Royals sich wohl kaum in streng organisierten Feriencamps amüsieren, und dass niemand, der den altmodischen Ehrentitel "Rockstar" verdient, zwei Wochen mit der Konkurrenz Gitarre üben möchte: geschenkt. Realismus darf man von einem Film mit dem Titel "Prinzessin im Rockstarcamp" - im Original heißt er etwas origineller "Rock 'n' Royals" - einfach nicht erwarten.

Interessant ist aber, wie der Film die beiden klassischen, gleichermaßen unrealistischen Lebensträume aufeinander prallen lässt, die Kinder in ihren Zimmerchen so ausbrüten: Prinzessin Sein und Rockstar Werden. Courtney lernt, was sie schon lange ahnte: Nämlich dass es aufregender ist, etwas zu tun und sich etwas zu trauen, als immer nur Prinzessin zu sein - inklusive der Pflicht zum Ballkleid- und Krönchen-Tragen, zum Bravsein und Winken.

Analytischer Blick auf Mädchenträume

Und was lernen die jungen Musiker, die natürlich eher Pop- als die angekündigten Rockstars sind von Prinzessin Courtney? Ein Gefühl von Gemeinschaft, das die amerikanischen Macher dieses Films etwas idealisierend dem alten europäischen Adel zuschreiben. Popsuperstar Erika lernt, dass Rampensau-Egoismus auch dann einsam macht, wenn man tatsächlich die beste Stimme hat - und dass ein bisschen Corpsgeist dazu führt, dass man seinen Erfolg am Ende gemeinsam feiern kann. Für sich genommen ist das natürlich nichts Neues. Aber der überraschend analytische Blick auf zwei unvereinbare Mädchenträume ist wirklich unterhaltsam.

Auch den Bechdel-Test, der nach der Rolle von Frauen in Filmen fragt, besteht "Barbie" mühelos. So mühelos sogar, dass Männer nur als Randfiguren vorkommen - sei es als Chauffeur, als verschlagener Assistent oder schmachtender Verehrer. Selbst der Chef vom Rockstarcamp ist letztendlich ein treuer Liebender, der noch immer das vergilbte Foto in der Jackentasche trägt, das ihn mit seiner Jugendliebe zeigt. Die Aristokratin leitet inzwischen das Ferienlager für die Königskinder. Dass sie am Ende wieder zueinander finden ist auch eine gute Nachricht für den Feminismus: Mädchen, heißt das, ihr könnt alles haben. Prinzessin sein, zusammen etwas auf die Beine stellen - und geliebt werdet ihr dafür auch.

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