Was verrät ein Name über den Menschen, der ihn trägt? In den Buchtiteln von Barbara Honigmann sind Vornamen, manchmal chiffriert, nicht selten. Als in „Bilder von A.“ (2011) eine Ich-Erzählerin, die ihr sehr nahestand, eine längst vergangene Liebesgeschichte im Theatermilieu in Ost-Berlin wiederaufleben ließ, ließ sich der Name hinter der Chiffre allenfalls erahnen. Aber bedeutungslos war er nicht, Aron hieß der Geliebte auf keinen Fall. „Was für ein blonder, blauäugiger Gewittergoi, so ein richtiger Germane, Teutone, Ostgote und auch noch Preuße, rief meine Mutter entsetzt aus, als sie A. kennengelernt hatte. Und der Name! Wie kannst du dich denn in so einen verlieben!“ Barbara Honigmann hat in „Ein Kapitel aus meinem Leben“ von ihrer in Wien geborenen Mutter erzählt, die einer ungarisch-jüdischen Familie entstammte und zeitweilig mit Kim Philby verheiratet war, der 1963 als sowjetischer Spion enttarnt wurde.
LiteraturLeben nach der Katastrophe
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In „Mischka“ erzählt Barbara Honigmann von Freunden ihrer Eltern, die den Nazis entkamen. Es sind Protokolle brutaler Schicksale, aber auch Geschichten des Weitermachens und der Würde.
Von Lothar Müller
