Bandporträt Science-Fiction-Oper

Matt Bellamy baut am liebsten sein eigenes Ego auf und strebt nach Größerem, was er bei den ausufernden Muse-Shows auch erreicht.

(Foto: Warner)

"Muse" stellt Songs des noch nicht veröffentlichten Albums "Drones" vor

Von Bernhard Blöchl

Ihr Bombast kennt keine Grenzen. Muse ist keine Band, die sich versteckt, im Gegenteil: Das Trio aus Devon in Südengland denkt seit 20 Jahren groß. Größer. Am größten war ihr Auftritt 2007 im Wembley-Stadion in London, da ließen die Neo-Prog-Rocker ein Ufo über die Ränge schweben, aus dem sich eine Artistin am Trapez abseilte, um zur sphärischen Musik des vierten Albums "Black Holes And Revelations" in der Luft zu tänzeln. In einer früheren Bandphase ließen die Konzept-Ästheten Riesenbälle über das Publikum wabern. Und Matthew Bellamy, der Oberperfektionist, Songschreiber und Sänger, hat sein furioses Wechselspiel vom Klavier zur E-Gitarre längst zur Kunstform erhoben.

Das macht er übrigens heute noch, wenn er nicht gerade den Popstar-Gockel gibt wie zuletzt bei den Konzerten zum elektronisch unterkühlten Album "The 2nd Law", da ist er ganz der posierende Falsett-Beau ohne Instrument. Bombast ist indes immer, und Muse hat gute Chancen, als die beste Stadionband in die jüngere Musikgeschichte einzugehen, genauer: Als die beste Stadionband, die die breite Masse noch immer nicht kennt. Das Phänomen wird bei Rockavaria deutlich: Metallica und Kiss? Da nicken auch Bayern-3-Hörer. Aber Muse? Schulterzucken.

Ihr Auftritt beim neuen Open-Air in München ist aus mehreren Gründen spannend: Muse hat schon im Atomic Café gespielt, im Babylon, im Zenith, in der Olympiahalle - im Olympiastadion noch nicht. Außerdem erscheint eine Woche nach der Drei-Tages-Sause ihr siebtes Album, auf dem die Jugendfreunde Bellamy, Dominic Howard und Chris Wolstenholme wieder deutlich rockiger zu Werke gehen als zuletzt (begleitet wurden die Aufnahmen von dem Ex-AC/DC-Produzenten Robert John "Mutt" Lange). "Drones" heißt die Platte, eine Science-Fiction-Oper mit den Mitteln des modernen Art-Rock, mit Stakkato-Riffs und dröhnenden Bassläufen, mit Queen-Chören, Sprachverzerrungen und Klavierpassagen (und zuweilen törichten Texten aus der Verschwörungsschublade, in die Bellamy so gerne greift). Das Publikum darf darauf hoffen, den einen oder anderen der Hybridsongs live zu erleben: "Psycho", "Dead Inside" und "Mercy" zum Beispiel, die neuen Singles. Auch "Reapers", eine feiste E-Gitarren-Psychose, kam bereits bei Festivalauftritten in den USA zur Aufführung. Flankiert werden die Neuheiten durch ein bombastisches Best-of-Programm.

Muse, Freitag, 29. Mai, 21 Uhr, Olympiastadion