Band Feine Sahne Fischfilet Rechte Drohung: Mit Sprengstoff und Schusswaffen gegen eine Schulvorführung

Filmszene aus der Dokumentation „Wildes Herz“.

(Foto: Neue Visionen)
  • Ein Konzert der linken Band Feine Sahne Fischfilet am Donnerstagabend in Chemnitz musste nach einer Drohung eine Stunde lang unterbrochen werden.
  • Zuvor hatte ein Kino im schleswig-holsteinischen Bad Schwartau eine Schulvorführung der Band-Doku "Wildes Herz" komplett abgesagt.
  • Bei dem Kino war eine Drohmail eingegangen, die den Einsatz von Schusswaffen und Sprengstoff ankündigte, sollte der Film gezeigt werden.
  • Eine AfD-Abgeordnete hatte die Entscheidung einer Schule, eine neunte Klasse den Film ansehen zu lassen, auf Facebook skandalisiert.
Von Kathleen Hildebrand

Es sieht so aus, als hätten Rechtsextreme in der Punk-Band Feine Sahne Fischfilet einen neuen Lieblingsfeind. Nur ein paar Wochen nach der Diskussion um ein Konzert der Band im Bauhaus Dessau musste am Donnerstagabend ein Konzert in Chemnitz nach einer Drohung eine Stunde lang unterbrochen werden. Die Warnung sei telefonisch eingegangen und sehr ernstgenommen worden, hieß es von Seiten der Polizei. Zuvor hatte bereits ein Kino im schleswig-holsteinischen Bad Schwartau eine Filmvorführung für Schüler abgesagt, bei der "Wildes Herz" gezeigt werden sollte - ein Dokumentarfilm über Feine Sahne Fischfilet, gedreht von dem Schauspieler und Filmemacher Charly Hübner.

Ende vergangener Woche sei eine Drohmail bei dem Kino eingegangen, sagte ein Sprecher der Polizei in Lübeck. Der oder die Absender hätten mit dem Einsatz von Schusswaffen und Sprengstoff gedroht, sollte der Film gezeigt werden. Nachdem sowohl das Landeskriminalamt als auch die Polizei das Risiko als nicht kalkulierbar eingeschätzt hatten, entschied sich der Betreiber des Kinos gegen die Vorführung. Er wollte seine Entscheidung auf Nachfrage nicht kommentieren. Der Film steht im Programm der bundesweiten "Schulkinowoche". An den acht weiteren Orten, die keine Drohmail erhalten haben, wird er wie geplant gezeigt.

Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) verurteilte die Drohung: "Es geht nicht darum, ob mir der Film gefällt, ob ich ihn für ein hinreichend differenziertes Porträt von Feine Sahne Fischfilet halte oder ob ich die Texte der Band gutheiße. Jedenfalls lädt er zu einer kontroversen Diskussion ein." Es gehe "um die Kunstfreiheit und den Diskurs über Themen, die gesellschaftlich hochaktuell sind", sagt Prien. Dass die durch Gewaltandrohungen eingeschränkt werde sei "nicht hinnehmbar". Die Entscheidung zur Absage der Vorführung sei nicht ihre gewesen. Trotzdem habe sie Verständnis dafür. Eltern, Lehrer und Schüler seien stark verunsichert. "Ihnen trotzdem einen Kinobesuch aufzuzwingen, fände ich unangemessen."

Die E-Mail enthielt auch Drohungen an eine Schule in Timmendorfer Strand, die geplant hatte, "Wildes Herz" mit einer neunten Klasse in dem Bad Schwartauer Kino anzusehen. Anfang November hatte die schleswig-holsteinische AfD-Abgeordnete im Landtag, Doris von Sayn-Wittgenstein, den Elternbrief der Schule, der auf den Kinobesuch hinwies, abfotografiert auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht und als verfassungswidrig sowie als Eingriff in die elterlichen Rechte skandalisiert. "Die Einverständniserklärung, die die Eltern dafür unterschreiben sollten," sagt Ministerin Karin Prien, "hat sie abgeschnitten." Was die AfD und ihre Mitstreiter versuchten, sei, "die Diskussion über die AfD und Rechtsextremismus durch Einschüchterung zu unterbinden." Das Ministerium plant eine spätere, gesicherte Vorführung des Films.

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