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Bambi 2014:Ein Saal voller "Helden"

Verantwortung war ein großes Thema an diesem Abend, drei Bambis wurden für bürgerschaftliches Engagment vergeben. Mit einer dieser Geschichten sorgte Laudator Johannes B. Kerner tatsächlich für Tränen im Publikum - und das obwohl er höchst ungelenk immer wieder darauf hinwies, dass eine solche Geschichte eigentlich nicht im Fernsehen erzählt werden sollte. Wohl um das Pathos noch zu verstärken, was es aber gar nicht gebraucht hätte: Eine neunköpfige Vollwaisenschar, die ihre Eltern bei einem Autounfall verloren hat und dank des Engagements ihres Bürgermeisters und zahlreicher Spenden weiterhin in ihrem Elternhaus leben darf, nachdem das Jugendamt sie hatte trennen wollen, das ist nun wirklich Pathos genug.

Bambi 2014 ? Verleihung

Ariana Grande, live in Berlin. Immerhin als "Newcomer" ausgezeichnet.

(Foto: dpa)

Dass ein solcher Helfer als "Held" gefeiert wird, ist nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar ist, dass an diesem Abend alle Ausgezeichneten partout als Helden bezeichnet werden müssen. Was genau macht denn zum Beispiel einen Elyas M'Barek zum Helden, der für "Fack you Göhte" einmal mehr (warum eigentlich?) ausgezeichnet wurde, oder einen Francis Fulton-Smith, der für seine Rolle als Franz Josef Strauß in der Spiegel-Affäre als bester deutscher Schauspieler den Bambi erhielt? Dass er den Sprung vom Rosamunde-Pilcher- Mimen zum ernsthafteren Genre wieder geschafft hat, mit 48? Immerhin stand Charly Hübner zur Auswahl, der zuletzt ständig mit erfrischenden Auftritten überzeugte.

Kaum nachvollziehbare Entscheidungen

Manche Entscheidungen der Bambi-Jury sind einfach nicht nachvollziehbar. Auch Josefine Preuß als beste deutsche Schauspielerin auszuzeichnen, nachdem sie 2013 schon alle möglichen Preise abgeräumt hat, ist nicht zwingend logisch, weil unter anderem auch Julia Koschitz nominiert war, die schon seit Jahren immer wieder aufs Neue durch ihre so zarten wie eindringlich gespielten Rollen überrascht und in diesem Jahr eigentlich mit den Auszeichnungen dran ist. Immerhin: Preuß hielt eine der erfrischendsten Dankesreden.

Auch die Begründungen sind bisweilen hanebüchen, unter anderem die für die Auszeichnung der "besten internationalen Band": "U2 thematisieren die Irrungen des Heranwachsens und die jugendliche Empörung über eine unperfekte und ungerechte Welt", heißt es in der Begründung, was einigermaßen irre ist: Die Band ist zarte 38 Jahre alt und war in der Tat mal sehr erfolgreich - aber jetzt? Die beste internationale Band? Herr im Himmel!

Insgesamt hat man den Eindruck, die Auswahl der Geehrten orientiert sich eher am Alter des Gastgebers, Hubert Burda, als am Publikum. Wobei: Es gab da noch diesen Publikumspreis, für den die Zuschauer anrufen konnten, um die angeblich beste Serie zu wählen, und was kam dabei heraus, obwohl mit "Danni Lowinski" auch eine einigermaßen originelle Serie zur Auswahl gestanden hätte? "In aller Freundschaft", die biedere öffentlich-rechtliche Krankenhausserie, die mal dieses unschöne Problem mit der Schleichwerbung für Medikamente hatte. Na dann: selbst schuld.

Die Quote im TV war übrigens mit 4,46 Millionen Zuschauern geringer als 2013. Tagessieger bei den jüngeren Zuschauern war laut kress "The Voice of Germany" - während alle Juroren aus dieser Sendung bis auf Stefanie Kloß beim Bambi auf der Bühne standen.

Was alle Welt schon kennt

Trotz dieser fragwürdigen Auszeichnungen hätte der 66. Bambi auch wegen diesen Showprofis eine durchaus weniger lahme Veranstaltung werden können als üblich. Wegen der vielen Überraschungen und ein bisschen auch wegen Barbara Schöneberger, die das Publikum durch sehr respektlose, aber absolut angebrachte Witzchen, sowohl über sich selbst als auch alle Anwesenden aufschreckte.

Doch leider war die letzte halbe Stunde gähnend langweilig. Mit dem Auftritt des Musicals "Chicago" erinnerte die Show an eine lähmende Schulaufführung. Auch Lang Lang zusammen mit Jonas Kaufmann konnte da nichts mehr retten, weil sie genau die Lieder vortrugen, die alle Welt eh schon kennt.

Weshalb die anschließende Aftershowparty aufgrund des deutlich eingeschläferten Publikums auch nicht so rauschend war, wie sie aufgrund der illustren Gäste hätte sein können und vergangenes Jahr auch war. Auch wenn David Coulthard bis tief in die Nacht die Tanzfläche schottenrockte, Barbara Becker großzügig Nahtanz verteilte, Franziska Knuppe gleichgroße Frauen höchst kritisch beäugte, Helene Fischer viel später dann doch wieder auftauchte und Florian David Fitz einem TV-Reporter vor laufender Kamera erklären musste, dass er kein Experte für Prinzessinnen sei.

Mit den rätselhaften Auszeichnungen und dem fehlenden Schwung erklärt sich auch die Notwendigkeit, alle Anwesenden während der Sendung ständig als einzigartig, führend heldenhaft und absolut bombastisch deklarieren zu müssen. Passend dazu, widmeten viele Preisträger ihr güldenes Reh am Ende "uns allen". Jetzt sind wir nicht mehr Papst, jetzt sind wir eben Helden. Auch wenn wir jetzt schon seit fast vier Jahrzehnten U2 hören und "In aller Freundschaft" unsere beste Serie ist.

Die Liste aller Preisträger finden Sie hier.

© SZ.de/khil/lala

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