Ein Rekordaufgebot an Fotografen im Parkett, auf der Bühne zwei Superstars - sie weit in den Vierzigern, er gerade mal Mitte zwanzig: Rudolf Nurejew ist der neue Sonnengott am europäischen Tanzfirmament. Die passenden Allüren hat er sich in Windeseile zugelegt, seit er 1961 auf einer Tournee des Leningrader Kirow-Balletts am Pariser Flughafen Le Bourget in den Westen geflohen ist - in die künstlerische Freiheit. Binnen weniger Monate liegt Europa diesem Nurejew zu Füßen, auch Londons Primaballerina Margot Fonteyn scheint nur auf ihn gewartet zu haben, um den leicht welken Charme ihrer Auftritte um ein gutes Jahrzehnt zu verjüngen. Sie sind ein Traumpaar, wenn Nurejew nicht gerade einen Aussetzer hat. So wie an diesem Vormittag im März 1963, als er die Generalprobe von Frederick Ashtons "Marguerite and Armand" in Covent Garden nach allen Regeln der Ego-Kunst torpediert. Das Kostüm zerfetzt, die Partnerin abkanzelt, mault und meckert, was das Zeug hält. Die versammelten Fotografen bekommen jedenfalls einen unvergesslichen Eindruck davon, wie Nurejew eines seiner liebsten Bonmots mit Leben erfüllt: "Von mir für mich".
Tänzer Rudolf NurejewDer Rebell
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Superstar, Sexsymbol, Stilikone weit über das Ballett hinaus: Vor 30 Jahren starb Rudolf Nurejew, der größte aller Tänzer.
Von Dorion Weickmann
