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Literaturwettbewerb:Helga Schubert gewinnt Bachmannpreis

Bachmannpreis 2020 - Helga Schubert

Die deutsche Autorin Helga Schubert ist für ihren Text "Vom Aufstehen" mit dem Ingeborg-Bachmannpreis ausgezeichnet worden.

(Foto: dpa)

Die 80-jährige Schriftstellerin war schon einmal zum Wettlesen in Klagenfurt eingeladen, aber damals verbot ihr die DDR die Teilnahme. Nun las sie - und siegt.

Die gebürtige Berlinerin Helga Schubert (80) hat den renommierten Bachmannpreis für deutschsprachige Literatur gewonnen. Das gab die Jury am Sonntag in Klagenfurt bekannt.

In der Laudatio sagte ihre Patin Insa Wilke - jeder Juror lädt einen bis zwei Autoren zum Wettbewerb ein - "Vom Aufstehen" habe alle angerührt. Der Text handelt von einer Frau, die das Aufstehen aus dem Bett hinauszögert und sich an ihre Mutter, an Literatur und ihr eigenes 80 Jahre altes Leben erinnert. Der Stoff hätte eine Geschichte der Katastrophe sein können, sagte Wilke, aber Helga Schubert zeige darin, wie man Frieden mit seiner Vergangenheit mache.

Preisträgerin fast zu Tränen gerührt

Die Klagenfurter Bürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz gratulierte der sichtlich gerührten Preisträgerin. Auf die Frage des Moderators, wie sie den Wettbewerb erlebt habe, sagte sie, sie habe ihn vom ersten bis zum letzten Moment vor dem Fernseher verfolgt. Sie sei froh darüber gewesen, dass der Wettbewerb aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr digital mit Videoschalten stattfand. So musste sie nicht nach Klagenfurt reisen, denn sie pflege zu Hause ihren Mann. Ein Verlag und eine Agentur hätten sie kontaktiert, sie sollte ihr Buchmanuskript beenden und es veröffentlichen. Den Tränen nahe zitierte sie eine Dankesrede von Ingeborg Bachmann für einen Preis für den "Gott von Manhattan": "Der Schriftsteller ist mit seinem ganzen Leben auf ein Du gerichtet."

Deutschlandfunk-Preis für Lisa Krusche

In einer Stichwahl gegen Laura Freudenthaler setzte sich die Autorin Lisa Krusche durch. Sie las auf Einladung von Klaus Kastberger den Text "Für bestimmte Welten kämpfen und gegen andere". Er zeichnet eine dystopische Welt, unter anderem mit Bildern eines Computerspiels, und wurde von der Jury sowohl gelobt als auch kritisiert.

Kelag-Preis für Egon Christian Leitner

Egon Christian Leitner las auf Einladung von Klaus Kastberger den sozialkritischen Text "Immer im Krieg". In Form von einzelnen Geschichten berichete er über Menschenschicksale im Sozialstaat.

3sat-Preis für Laura Freudenthaler

Die Österreicherin Laura Freudenthaler wurde für ihren Text "Der heißeste Sommer" ausgezeichnet, der vor dem Hintergrund des fortgeschrittenen Klimawandels spielt.

Publikum entscheidet sich für Lydia Haider

Der Publikumspreis geht in diesem Jahr an die Österreicherin Lydia Haider. Sie las auf Einladung von Nora Gomringer den Text "Der große Gruß". Mit dem Preis verbunden ist ein Stadtschreiber-Stipendium der Stadt Klagenfurt.

Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für deutschsprachige Schriftsteller und wird seit 1977 verliehen. In diesem Jahr konnte der Wettbewerb wegen der Corona-Pandemie nicht vor Ort in Klagenfurt stattfinden, der Geburtsstadt der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Stattdessen wurden die Lesungen der Autoren zuvor aufgezeichnet. Die Jurydiskussionen fanden in Video-Liveschalten statt. Auch die Autoren der besprochenen Texte wurden dazugeschaltet und konnten, wenn sie das wollten, ein Schlusswort abgeben.

© SZ/dpa/ORF/khil/jerb
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