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"Avengers: Infinity War" im Kino:Mission des Weltenzerstörers Thanos: kurzgesagt Euthanasie

Um dieser Zerstreutheit entgegenzuwirken, macht der Film den Widersacher, den Weltenzerstörer Thanos, zum heimlichen Subjekt der Handlung. Dessen Mission ist, kurz gesagt, Euthanasie. Er glaubt, dem Ganzen zu dienen, wenn er die Hälfte von allem vernichtet. Ein Stahlgewitter soll die Welt reinigen. Der Stärkere wird herrschen. Die Revolution kommt bei Marvel also von rechts.

Damit kehrt ein düsterer Ton in die sonst so poppige, ironisch-heitere Marvel-Welt ein. Man merkt, durchaus positiv übrigens, dass diesmal wirklich etwas auf dem Spiel steht. Dieses "etwas" bleibt ebenso abstrakt wie im "Star Wars"-Universum, auf das sich das Franchise in Lichtgeschwindigkeit zuzubewegen scheint. Eher vage definierte Kräfte des Guten sind dort im Kampf mit der "dunklen Seite", ihren Militärparaden und ihrem Imperator - aber die dunkle Seite steckt längst auch in den Herzen der Figuren. Ganz ähnlich in "Infinity War": Die Helden selbst sind zum Ziel der Kräfte geworden, die sie bekämpfen. Thanos muss sie aus dem Weg räumen, um sämtliche "Infinity Steine" an seinem welterschütternden Handschuh zu vereinen und absolute Macht zu erlangen.

Menschliche Stars, die zu alt werden, sind die Achillesferse des ganzen Unternehmens

Dass Marvel sie nun mit seiner Hilfe teilweise loswerden will, hat auch einen pragmatischen Grund: Sie kommen in die Jahre. Natürlich altern nicht die Figuren selbst, die sind so zeitlos wie die Masken, die sie tragen, aber die Schauspieler darunter werden allmählich zu müde in den Knochen, um monatelang, an Seilen befestigt, vor Greenscreens herumzuhüpfen. Sie sind gewissermaßen die biologische Achillesferse dieses großteils computergenerierten Filmuniversums - der Punkt, an dem es mit denselben Problemen zu kämpfen hat wie die "Lindenstraße". Robert Downey Jr. beispielsweise, der als "Iron Man" seit nun schon zehn Jahren an Bord ist, hat kürzlich seinen 53. Geburtstag gefeiert.

In den Comic-Vorlagen von Marvel durften im Lauf der Jahrzehnte immer wieder neue Protagonisten in die bekannten Heldenanzüge schlüpfen, um sie einem sich wandelnden Zeitgeschmack anzupassen und neue Zielgruppen zu erschließen. Dabei kamen auch zunehmend weibliche Figuren und People of Color zum Zug. Der Erfolg von Superhelden-Figuren wie "Wonder Woman" oder "Black Panther" nähren die Hoffnung, dass das auch im MCU passieren könnte.

Im kommenden, animierten "Spiderman"-Film, den Sony Ende des Jahres in die Kinos bringen wird, soll unter dem Spinnenkostüm bereits ein schwarzer Held namens Miles Morales stecken. Der Kampf im Herzen des Marvel-Universums, ob alles nun düsterer oder doch eher bunter wird, ist also noch keineswegs entschieden.

Avengers: Infinity War, USA 2018. Regie: Anthony & Joe Russo. Buch: Christopher Markus, Stephen McFeely. Kamera: Trent Opaloch. Mit: Robert Downey Jr., Josh Brolin, Chris Evans, Scarlett Johansson, Benedict Cumberbatch, Verleih: Disney, 160 Min.

© SZ vom 02.05.2018/biaz
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