Süddeutsche Zeitung

Auszeichnung:Atemloses Zittern

Der Schriftsteller James Frey hat für seinen Roman "Katerina" den "Bad Sex in Fiction"-Award 2018 gewonnen. Er setzte sich, so die Jury, schon allein wegen der "Menge und Länge zweifelhafter erotischer Passagen" im Buch durch.

Von Alexander Menden

Der "Bad Sex in Fiction Award" der Literary Review geht in diesem Jahr an James Frey. Der Amerikaner ist der 26. Träger des Preises, mit dem das Londoner Magazin seit 1993 "auf die grobe, geschmacklose, oft oberflächliche Verwendung überflüssiger Passagen sexuellen Inhalts" in neu erschienenen Romanen hinweisen und "ihr entgegenwirken" will. Frey war bisher vor allem für die Kontroverse um den Roman "Tausend kleine Scherben" (2003) über Drogen- und Trunksucht bekannt, für dessen angeblich autobiografischen Inhalt Rechercheure der investigativen Internetseite "The Smoking Gun" keine Belege fanden.

Die von der Literary Review mit dem Bad-Sex-Preis bedachten Passagen stammen aus seinem jüngsten Werk "Katerina". Darin beschreibt er den lebhaften Verkehr des Protagonisten Jay mit einem norwegischen Model in Paris so: "Blendendes atemloses Zittern überwältigend explodierend weißer Gott ich komme in ihr mein Schwanz pochend wir stöhnen beide Augen Herzen Seelen Körper eins. Ein. Weißer. Gott. Komme. Komme. Komme. Ich schließe meine Augen und atme aus. Komme." Laut der Jury setzte sich Frey gegen die - ausschließlich männliche - Konkurrenz allein schon durch die "reine Menge und Länge zweifelhafter erotischer Passagen in diesem Buch durch".

Auf die Shortlist schaffte es unter anderem der Japaner Haruki Murakami mit seinem Roman "Die Ermordung des Commendatore", in dem jemand das Gefühl der Penetration mit "warmer Butter" vergleicht. Seine Ejakulation ist dann "brutal, und mehrmalig. Wieder und wieder floss der Samen aus mir heraus, trat über die Ufer ihrer Vagina und verklebte die Laken. Ich konnte einfach nicht damit aufhören." Der ebenfalls nominierte Brite Gerard Woodward beschreibt in "The Paper Lovers": "Sie stößelte ihn langsam, bis er sich wie durch ein Wunder wieder steif fand, als wäre er aus seinem eigenen Schmerz erstanden, frisch und bereit." In "Grace's Day" von William Wall beschreibt die Heldin die postkoitale Situation: "Nachher ist es klebrig und klein und amüsant. Ich will es anfassen, aber ich trau mich nicht. Ich kenne die Etikette nicht. Er ist 20 Jahre älter als ich, oder mehr. Das ist Sex."

Walls irischer Landsmann Julian Gough konzentriert sich auf Busenbeschreibungen: "'Sie sind klein', sagt sie, überraschend schüchtern, entschuldigend. 'Sie sind perfekt', sagt er. Er küsst sie. Neckt eine Brustwarze mit seinen Lippen. Sie ist so weich, und dann, plötzlich, so hart. Wow." Auch das Autoren-Duo Duncan Crowe und James Peak fand Berücksichtigung. Ihr Roman "Scoundrels", unter den Pseudonymen Major Victor Cornwall und Major Arthur St. John Trevelyan publiziert, ist eine parodistische, fiktive Doppel-Biografie. Den Szenen, in denen die Vagina einer Sexpartnerin mit einer Konzertina und einer "emaillierten Pfeffermühle" verglichen wird, mangelt es daher an der brünstigen Ernsthaftigkeit der übrigen Kandidaten.

James Frey nahm die Auszeichnung nicht persönlich in London entgegen, ließ aber ausrichten, er fühle sich "zutiefst geehrt", diesen "prestigeträchtigen Preis" zu erhalten, und dankte den übrigen Kandidaten für das "Lesevergnügen", das sie ihm bereitet hätten.

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Quelle:
SZ vom 05.12.2018
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