Hinterher wollten nicht einmal die nationalsozialistischen Hauptangeklagten in den Nürnberger Prozessen etwas von den Tötungsfabriken gewusst haben, in denen die Juden ermordet wurden. Keine Frage dürfte die deutschen Nachkriegsgesellschaften so aufgewühlt haben wie die nach dem konkreten Wissen vom Massenmord an Millionen unschuldiger Menschen. Die allgemeine historische Frage „Wie konnte das geschehen?“ (Götz Aly) wurde zur Gewissenserforschung und zur Anklage in der Frage an Zeitgenossen, Verwandte, Eltern und Großeltern: „Was habt ihr gewusst?“ Dazu gibt es längst abgekühlte, differenzierende Forschung, die Wissensmöglichkeiten und Kommunikationen im abgedichteten Raum der Diktatur erkundet.
HolocaustWas habt ihr gewusst?
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Der Holocaust war auch deshalb möglich, weil sich die deutsche Gesellschaft im Alltag schrittweise daran gewöhnte, dass Juden entrechtet und ermordet wurden. Das dokumentiert eine Berliner Ausstellung. Ein blinder Fleck aber bleibt.
Von Gustav Seibt
