Aust und das Arbeitsgericht Poker um Millionen im "Spiegel"

Streit im Spiegel: Wie viel Abfindung bekommt der Noch-Chefredakteur Stefan Aust? Und: Investiert er künftig in das Fernsehen?

Von Gerd Zimmer

Montag ist Spiegel-Tag: Stefan Aust, der Chefredakteur des Hamburger Nachrichtenmagazins, hatte an diesem Montag gleich zwei Termine, die parallel lagen. Es handelte sich um die Leitung der Wochenkonferenz des Blatts und um einen Gütetermin vor dem Hamburger Arbeitsgericht, bei dem es um die vorzeitige Auflösung seines Vertrages ging.

Keine Einigung in Sicht zwischen Stefan Aust und dem "Spiegel".

(Foto: Foto: ddp)

Der Mann weiß, dass er seine Arbeitskraft anbieten muss. Und so wurde der 61-Jährige am Montagmorgen vor Gericht von seinem Anwalt Matthias Prinz vertreten. Eine Einigung mit dem Spiegel-Verlag gab es nicht; die Vorsitzende Richterin setzte kurzerhand einen neuen Verhandlungstermin für den 7. Mai fest. In dem Prozess geht es um mehrere Millionen Euro, mit denen Aust - seit 1994 im Amt - seine vertraglichen Rechte gewahrt sehen will. Er hat Kündigungsschutzklage eingereicht.

Der noch amtierende Spiegel-Chefredakteur ist unter anderem der Meinung, dass sein Vertrag bis Ende 2010 wirksam ist. Tatsächlich gibt es eine Option, die eine derartige Amtszeit möglich macht. Im November aber war Austs laufender Vertrag auf Initiative des Mehrheitseigners des Spiegel-Verlags, der Mitarbeiter KG, nicht über Ende 2008 hinaus verlängert worden. Das Blatt soll künftig von einer Doppelspitze geführt werden. Im Gespräch sind der Berliner Bürochef Georg Mascolo und der Leiter von Spiegel online, Mathias Müller von Blumencron.

Es macht eben einen Unterschied, ob zwei Jahresgehälter ausgezahlt werden oder nicht. Eine kleine Rolle - hierbei geht es vermutlich um Hunderttausende Euro - spielt auch Austs Kontrakt als Herausgeber der von ihm maßgeblich geförderten Fernsehtochter "Spiegel-TV". Dieser Vertrag läuft bis zum Jahre 2013.

Der skurrile Streit, eigentlich ein schöner Magazinstoff, hätte vermutlich schon längst an der Spiegel-Kasse beigelegt werden können, wenn der Verlag nicht auf einer zeitweiligen Sperre Austs für das Fernsehen bestanden hätte.

In diesem Zusammenhang ist es in der Branche sehr wohl aufgefallen, dass ein guter Freund des Spiegel-Journalisten, der langjährige "Tagesthemen"-Anchorman Ulrich Wickert, sich mit seiner Firma UWP um Sendelizenzen für die unabhängigen Fensterprogramme auf RTL bewirbt. Dieses Terrain war bisher eine sichere, profitable Angelegenheit für "Spiegel-TV". Die Fachpublikation DWDL verbreitet, dass Aust einer der Partner Wickerts sein soll. Wickert dementiert dies.

In der Vergangenheit hat Wickerts UWP zusammen mit "Spiegel-TV" die ARD-Sendung "Wickerts Bücher" produziert. Aber da war Aust ja auch noch - scheinbar unangefochten - der große Zampano im Hause Spiegel. Zu den weiteren Merkwürdigkeiten dort gehört, dass Austs Antipode, der Verlagschef Mario Frank, alles andere als unumstritten ist. Der langjährige Manager des Bertelsmann-Verlags Gruner + Jahr vergraulte die Mitarbeiter jüngst offenbar mit einer Ändeurng des Gehaltsbonussystems. G + J hält mit 25,5 Prozent eine Sperrminorität am Spiegel.

Für weiteren Nachrichtenstoff durch das Nachrichtenmagazin ist also gesorgt.